Nr. 26/2021 vom 01.07.2021

All die schlimmen Filme

Von Florian KellerMail an Autor:in

Still aus «Censor»: Magnet Releasing

Ist die Gewalt zu blutig, zu drastisch, ist sie jugendgefährdend? Diese Fragen sind Berufsalltag für Enid, die Hauptfigur in «Censor», bravourös gespielt von Niamh Algar. Ihr Job bei der Filmzensur: all die schlimmen Filme sichten und, wo nötig, eben zensieren. Dabei gilt auch für Enid selbst: Gewaltbilder können kathartisch sein – problematisch wirds jedoch dort, wo der Blick für die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmt. Die britische Regisseurin Prano Bailey-Bond schafft mit ihrem extrem stilbewussten Erstling ein wahres Kunststück: «Censor» ist zu gleichen Teilen feministische Kritik und liebevolle Hommage an den billigen Horror – alles vor dem Hintergrund der Thatcher-Ära und der Brutalopanik, die sich mit den damals neuen Videokassetten ausbreitete.

Böse Filme am Laufmeter schauen? Das wäre natürlich ein Traumjob für jeden Fan des Neuchâtel International Fantastic Film Festival, kurz NIFFF. Traditionsgemäss gibt es dort auch dieses Jahr viel asiatisches Genrekino zu sehen, daneben ist aber auch ein neuer Minitrend zu verzeichnen: Mykohorror. Gleich in zwei Filmen treiben Pilzsporen ihr Unwesen, in «Gaia» und im neuen Film von Ben Wheatley, «In the Earth». Etwas mehr als ein Drittel des Programms ist auch per Streaming für zu Hause verfügbar, etwa «Gaia» oder auch der von Hand gezeichnete Film «Cryptozoo», in dem sich das kurioseste Bestiarium des Jahres tummelt.

Neuchâtel International Fantastic Film Festival in: Neuenburg diverse Spielorte und online. 2.–10. Juli 2021. Programm und weitere Informationen: www.nifff.ch.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch