Nr. 34/2021 vom 26.08.2021

Der Uhu und der Staudamm oder was ein Speichersee im Nationalpark verloren hat

Wasserkraft galt schon früh als «weisse Kohle» der Alpen, heute soll sie im Namen der postfossilen Wende ausgebaut werden. Ein Blick in die Geschichte des industriellen Wasserbaus der Schweiz zeigt, dass ökologische und soziale Kriterien dabei oft hintangestellt wurden.

Von Sebastian De Pretto

Fast fünfzig Jahre nach den ersten Plänen wurde die Staumauer Punt dal Gall gebaut. Die Aufnahme vom September 1966 zeigt den Blick auf das Tal des Spöl im Nationalpark. Foto: Keystone

Am 20. September 2020 entdeckt ein Parkwächter im Schweizerischen Nationalpark ein totes Uhuweibchen. Nachdem der Kadaver vom veterinärmedizinischen Institut der Universität Bern untersucht worden ist, steht fest: Die Eule starb an einer Überdosis des Giftstoffs PCB, die sie sich höchstwahrscheinlich durch verseuchte Fische aus dem Spöl zugezogen hatte. Der Fluss, der mitten durch das Naturschutzgebiet fliesst, weist das Gift spätestens seit einer Havarie der Bogenstaumauer Punt dal Gall vom September 2016 auf. Längst ist der Schadstoff aber nicht nur im Wasser vorhanden, sondern tief ins Flusssediment sowie in das den Spöl umgebende Ökosystem eingedrungen. Der Schaden ist irreversibel: Fische und Vögel sterben, der Fischotter pflanzt sich kaum mehr fort.

Dass die ökologische Tragödie auf die seit 1968 im Nationalpark stehende Staumauer zurückzuführen ist, liegt auf der Hand: PCB diente in den fünfziger und sechziger Jahren als beliebter Korrosions- und Witterungsschutz und verdichtete auch Fugen und Transformatoren. Der tote Uhu zeugt somit einerseits davon, wie sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten selbst streng geschützte Alpentäler zu Industrielandschaften wandelten, als sie infrastrukturell in energiewirtschaftliche Wertschöpfungsketten eingebunden wurden. Andererseits ist das Schicksal des Vogels dem radikalen Fortschrittsglauben jener Jahre geschuldet, der solch invasive Bauprojekte überhaupt zuliess.

Der Historiker Christian Pfister beschreibt die fünfziger Jahre als eine Sattelzeit, die den Übergang von der Industrie- zur Konsumgesellschaft markiert. Am deutlichsten zeigte sich das sogenannte «1950er Syndrom» im Automobil, im Wohnungsbau sowie in Haushaltsgeräten. Die gesteigerte Nachfrage nach Freizeit, Mobilität und Komfort brachte einen verschwenderischen Umgang mit Energie mit sich, der sich global im Raubbau fossiler Ressourcen sowie in den Alpen in einem massiven Ausbau der Wasserkraft niederschlug. Die Landschaft der Schweiz veränderte sich fundamental: Ein Netz von Nationalstrassen, Seilbahnen und Skiliften, Hochspannungsleitungen, Flughäfen und Kraftwerken aller Art durchzog schon bald das Land. Die wachstumseuphorischen Fünfziger trugen wesentlich zur heutigen Umweltproblematik bei. Naturschützerische Anliegen fanden damals öffentlich kaum Gehör – nicht einmal im hochsensiblen Schutzgebiet des seit 1914 bestehenden Schweizerischen Nationalparks.

Generalmobilmachung in Sachen Strom

Dabei war das Bauprojekt der Staumauer Punt dal Gall schon von Anfang an umstritten. Die Kontroverse um den Spöl begann bereits 1919, als Folge des damals im Tal vorgestellten und später verhinderten Silsersee-Speicherbeckens. Der dafür verantwortliche Ingenieur Adolf von Salis wurde von der Gemeinde Zernez damit beauftragt, die Möglichkeiten der Wasserkraft in ihrem Konzessionsgebiet auszuloten. Sein Projekt zur Erschliessung der beiden Flüsse Inn und Spöl stiess rasch auf offene Ohren, versprach es doch nur schon durch die Wasserzinsen die Dorfkasse aufzufüllen.

Die Eidgenössische Nationalparkkommission (ENPK) hingegen war nicht erfreut, dass mit dem Kraftwerk ein Stausee im Parkgebiet entstehen sollte. Parallel dazu liefen allerdings Verhandlungen um eine Gebietserweiterung des Reservats, die helfen sollte, das damals noch rare Steinwild wieder anzusiedeln – und dieser Umstand stärkte wiederum die Verhandlungsposition von Zernez gegenüber der ENPK. Schliesslich gaben sowohl die ENPK wie die Bundesverwaltung grünes Licht. Zwar wurde das Bauvorhaben vorerst nicht umgesetzt, aber die Nutzungskonflikte um die Wasserkraft im Parkgebiet waren damit aufgegleist: Die Nutzung des Spöl entwickelte sich zur wiederkehrenden Streitfrage zwischen der ENPK und den Unterengadiner Ortschaften.

Punt dal Gall steht aufgrund seiner frühen Planungsphase exemplarisch für die Geschichte des industriellen Wasserbaus in der Schweiz. Als von Salis sein Projekt 1919 in Zernez vorstellte, hatten die ersten leistungsstarken Speicherseen im Dienst stromhungriger KonsumentInnen wie etwa der Stadt Zürich oder der SBB bereits mehrere abgelegene Alpentäler geflutet. Gefüttert wurde die Nachfrage seit dem frühen 20. Jahrhundert mit der Schaffung eines weitreichenden Stromverteilsystems, landesweiten Verbundnetzen sowie dem Wachstum von Industrie, Tourismus und Verkehr. Zwischen 1910 und 1939 wurden schweizweit 44 Staumauern hochgezogen, die wiederholt für Rekorde sorgten: 1920 etwa mit der ersten Bogenstaumauer Europas bei Montsalvens oder sechs Jahre später mit der damals weltweit höchsten Gewichtsstaumauer im schwyzerischen Wägital.

Dort beginnt auch ein anderes, weniger populäres Kapitel der Schweizer Wasserbaugeschichte: Es handelt von Enteignung, Vertreibung und Verlust der Existenzgrundlage. Das Energiekonsortium AG Kraftwerk Wägital beantragte das Nutzungsrecht für die Aa 1918 nicht etwa bei der direkt betroffenen Siedlung Innerthal, sondern gemäss kantonalem Recht beim Kantons- und beim Bezirksrat. Obwohl die DorfbewohnerInnen beim Bundesgericht Einsprache gegen die Flutung ihrer Häuser erhoben, musste die eine Hälfte von ihnen mit einer einmaligen Entschädigungssumme das Tal verlassen und die andere ein neues Zuhause in einer nahe gelegenen neuen Siedlung suchen, wo der Stausee fortan zumindest Steuer- und Wasserzinseinnahmen generierte.

Der zweifelhafte Erfolg des Wägitaler Werks gründete in einer Propaganda, die ihre Wirkmacht in der Aufbauphase nach dem Ersten Weltkrieg entfaltete und sich bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg hielt: Die Schweiz als energiehungriges Land, das über keine fossilen Brennstoffe verfügte, musste angesichts von Krieg und international unsicheren Handelsverhältnissen stromwirtschaftlich autark werden. Die «weisse Kohle» aus den Alpen war dafür als billige und leistungsstarke Ressource wie geschaffen; es galt, sie möglichst allumfänglich zu erschliessen und zu nutzen. Struktur- und finanzschwache Berggemeinden mussten sich dieser energiewirtschaftlichen Generalmobilmachung zum Wohle der Nation anpassen – ob sie das nun wollten oder nicht.

Die hydrotechnische Rhetorik einer autarken Schweiz durchzieht Konzessionsgesuche, Gutachten sowie etliche Artikel der meinungsmachenden Presse der damaligen Zeit. Allerdings überstiegen die schweizerischen Energieexporte zwischen 1939 und 1941 diejenigen von vor dem Krieg bei weitem. Offenbar lag den Energiekonzernen mehr an einem gewinnbringenden Exportgeschäft als an einer nationalen Subsistenzwirtschaft: Sogar die winterliche Spitzenenergie lieferten sie ans Dritte Reich oder ans faschistische Italien, wo der Strom vor allem in die Kriegsmaterialproduktion floss. Es scheint, als hätte der im Land verfügbare Strom auch mit weniger als den bis 1970 umgesetzten 91 Staubecken für den Eigenbedarf ausgereicht.

Wachstumseuphorie und Naturschutz

Die expandierende Energiewirtschaft in den ersten Nachkriegsjahrzehnten hielt jedoch am Ziel eines Totalausbaus der Wasserkraft fest. Auch der Nationalpark sollte mit einem 1954 eingereichten Stauseeprojekt der Unternehmensgruppe Engadiner Kraftwerke AG definitiv erschlossen werden. Die Eidgenössische Nationalparkkommission protestierte und wurde dabei anfangs noch von Wissenschaftsverbänden, dem Schweizerischen Bund für Naturschutz (SBN) sowie der Schweizerischen Vereinigung für Heimatschutz (SVH) unterstützt.

Vor Ort ging der Kampf gegen das Projekt von der Oppositionsgruppe Lia Naira aus. Ihr lag neben einem unversehrten Parkreservat auch an der Wassermenge des gesamten Spöl-Flusslaufs. Ausserdem wollte sie die «rhätische Kultur» gegen zentralstaatlich-industrielle Grossprojekte verteidigen und misstraute dem versprochenen Geldsegen der Engadiner Kraftwerke AG. Die Gegenwehr gipfelte 1957 in der Lancierung einer Nationalparkinitiative, die den kompromisslosen Erhalt des Parkökosystems verlangte. Darüber hinaus sollten die betroffenen Ortschaften im Engadin und im Münstertal sowie der Kanton Graubünden bei einem Verzicht der Wasserkraftnutzung vom Bund finanziell entschädigt werden.

Bereits im Folgejahr zog die lokale Widerstandsbewegung den Vorstoss indes zurück. Zu bescheiden war der gesellschaftliche Rückhalt zwischen Zernez und Scuol geblieben, zu gross die Wachstumseuphorie: Ein ebenfalls von der Opposition eingereichtes Referendum, das den für das Grenzkraftwerk notwendigen Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Italien hätte verhindern sollen, wurde abgelehnt. Die «Schweizerische Bauzeitung» triumphierte: «Das überwältigende Mehr zu Gunsten des Spölvertrags […] und die schwache Stimmbeteiligung von nur 45 % sind wohl weitgehend dahin zu deuten, dass die bisherigen Kampfverfahren, mit denen gewisse Kreise glaubten, Natur und Heimat gegen den Zugriff der Konsumenten von Gütern und Energien verteidigen zu müssen, nicht mehr als zweckmässig angesehen werden.»

Selbst die Nationalparkkommission war umgeschwenkt und hatte das Stauseeprojekt unterstützt, nachdem sie in den Verhandlungen eine Kompromisslösung beim Bau der Mauer sowie einen erneuten Gebietszuschlag herausgeholt hatte. Punt dal Gall markiert somit einen Wendepunkt im Schutzkonzept des Nationalparks. Entsprechend verbrämte die einflussreiche SVH das Bauprojekt schon während dessen Planungsphase mit einem dramatischen Gründungsmythos: «Man sah, wie die tüchtigen, eilfertigen und nutzbegierigen Zeitgenossen sich bis in die einsamsten Winkel unseres Landes vordrängten, die verborgensten Bergwälder der Pflege und Säge erschlossen, die letzten wilden Grosstiere zur Strecke brachten, alle Welt hereinriefen auf den blühenden Blumenteppich unserer Bergmatten […] Was wir eben zeichneten, war die Idealgestalt des Nationalparkes. Doch schon bei seiner Gründung mussten vorhandene, von Menschen geschaffene und ihnen unentbehrliche Werke in Kauf genommen werden […]»

Opfer des Elektrizitätshungers

Verlief der Kampf gegen Stauwerke anderswo in der Schweiz erfolgreicher? Grundsätzlich nur, wenn Speicherseen auf einen mindestens regional gefestigten Widerstand stiessen. So scheiterte 1944 das Rheinwald-Projekt, als das ansässige Stimmvolk bei einer Landsgemeinde dem Konzessionsgesuch eine einstimmige Abfuhr erteilte. Allerdings handelte es sich beim Tal am Hinterrhein um eine landwirtschaftlich relativ wohlhabende und touristisch hochfrequentierte Region, sodass kaum Anreize für einen Wegzug bestanden und der Widerstand landesweit unterstützt wurde. Ähnliches spielte sich 1946 rund um das geplante Urseren-Kraftwerk ab: Der Zusammenhalt zwischen Andermatt, der für das Tal verantwortlichen Korporation sowie dem Kanton Uri verhinderte die Umsiedlung von rund 2000 Personen; der mit dem Landkauf beauftragte Ingenieur wurde schlicht aus dem Tal geprügelt.

Die Familien der Göscheneralp hingegen, wo der im Urserental verhinderte Stausee stattdessen gebaut werden sollte, kämpften zwischen 1956 und 1960 vergebens um ihre Grundstücke. Weder eine der beiden Urner Korporationen noch der Kanton wollten dagegen aufbegehren. Ähnlich einsam und letztlich hoffnungslos war der lokale Widerstand der Gemeinde Graun beim Reschenpass. Der heutige Reschensee liegt zwar im Südtirol, aber die schweizerische Elektrowatt AG investierte 1950 dennoch 30 Millionen Franken in das aus faschistischer Zeit stammende Stauseeprojekt. Die gewaltvolle Zwangsumsiedlung der DorfbewohnerInnen ging somit wesentlich aufs Konto des eidgenössischen Strombedarfs.

Dass die Schicksale alpiner Lebensgemeinschaften jenseits der Landesgrenze in der Schweiz kaum jemanden interessierten, zeigte sich auch beim Punt-dal-Gall-Projekt. Offiziell erfuhr die italienische Anrainergemeinde Livigno erst 1959 von der Regierung in Rom davon: Sie musste ihre Allmende sowie das Eigentum von rund hundert LiegenschaftsbesitzerInnen abtreten. Zwar wurden diese immerhin angehört und konnten für sich annehmbare Konditionen aushandeln – was den Baubeginn bis 1962 hinauszögerte; der Nutzungskonflikt am anderen Ende des mit dem Stausee eröffneten Munt-la-Schera-Tunnels war für die heimatverliebte Debatte um den Erhalt der eidgenössischen «Urnatur» im Nationalpark jedoch nie vordergründig.

Um Widerstand im Keim zu ersticken, legten sich die Energiekonzerne im Laufe der Nachkriegsjahre aber auch geschickte Strategien für möglichst reibungslose Enteignungen und Umsiedlungen zurecht. Als etwa der Bürgerrat von Marmorera die Wassernutzungsrechte für den Julia-Fluss 1948 dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich erteilte, hatte dieses die Grundstücke der verarmten DorfbewohnerInnen zuvor schon erworben, womit ein wirkungsvoller Einspruch kaum noch möglich war.

Wenn Wasserkraftwerke wie in Marmorera in finanzschwachen und verschuldeten Gemeinden projektiert wurden, stiessen sie auch aufgrund der erhofften Einkünfte und infrastrukturellen Versprechen kaum auf Gegenstimmen – zu ungleich verteilt waren die wirtschaftlichen und machtpolitischen Kräfteverhältnisse. So verhielt es sich auch bei der bisher letzten Enteignung auf der im Walliser Trienttal gelegenen Alp Émosson, wo 1974 der zweitgrösste Stausee der Schweiz entstand: Die Verkaufsverträge für die Alphütten einer Sommersiedlung wurden erst ausgestellt, als die Konzession bereits erteilt worden war und die Bauarbeiten liefen. Damit nicht genug, übte die Électricité d’Émosson S.A. auf die LiegenschaftsbesitzerInnen Druck aus, indem ihnen als Alternative zum bereits geschätzten Verkaufspreis mit einer Zwangsenteignung gedroht wurde. Ausserdem war das Unterwallis industriewirtschaftlich und finanziell zu sehr von der Wasserkraft abhängig, als dass an einen Nutzungskonflikt zu denken war.

Was also lehrt uns der verseuchte Uhu am Spöl über die Geschichte der Wasserkraftnutzung in der Schweiz?

Zum einen führt sie uns auf tragische Weise die vielfachen Opfer vor Augen, die vor allem in den wachstumsverliebten fünfziger Jahren sowie in der bereits zuvor erfolgten Überproduktion landesweiter Stromreserven eingefordert wurden. Zum anderen bietet sie aber auch eine Gelegenheit, sich der gesellschaftlichen und ökologischen Folgeschäden bewusst zu werden, die ein unbedachter Raubbau an natürlichen Ressourcen unter fahrlässigem Einsatz toxischer Substanzen mit sich bringt.

Sebastian De Pretto ist promovierter Geisteswissenschaftler und forscht am Urner Forschungsinstitut Kulturen der Alpen zur Geschichte des transnationalen Stauseebaus.

Energiewende

Neue Debatte über die «weisse Kohle»

Die überfällige Abkehr von fossilen Brennstoffen und die damit einhergehende Suche nach alternativen Energieressourcen machen die Wasserkraft wieder attraktiv: So wird zurzeit in der Schweiz – wie auch in anderen wasserreichen Ländern – über die Zukunft der «weissen Kohle» debattiert. Viele der in den fünfziger Jahren vergebenen und auf achtzig Jahre festgelegten Konzessionen laufen in absehbarer Zeit aus. Deshalb müssen neue und allenfalls erweiterte Nutzungsrechte ausgehandelt werden.

Der Bundesrat hat vorgespurt und im Juni die Vorlage für das «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» verabschiedet. Dieses beinhaltet auch eine Revision des Energiegesetzes sowie des Stromversorgungsgesetzes und will die Wasserkraft ausbauen und namentlich für grosse Wasserkraftanlagen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Die Botschaft zur Vorlage greift dabei einmal mehr auf die altbekannte Rhetorik von einer autarken Schweiz zurück: Betont werden die «einheimische Energie» und die «Versorgungssicherheit der Schweiz». National- und Ständerat haben die Vorlage noch nicht behandelt.

Unkritisch hinnehmen sollten sie den Ausbau der Wasserkraft auf jeden Fall nicht, selbst wenn die Hydroenergie im Gegensatz zu Kohle, Gas und Öl eine deutlich bessere CO2-Bilanz ausweist. Nicht nur der massenhafte Einsatz von Beton ist problematisch, es verändern sich auch die Flussläufe der aufgestauten Gewässer hinsichtlich Fliessmenge, Wassertemperatur und Sedimentanteil – und der unvorsichtige Umgang mit Toxinen wie PCB hat verheerende Folgen, wie das Beispiel des Spöl im Nationalpark zeigt. Ausserdem stellt sich die Frage, ob Staumauern rückgebaut werden, falls ihre Speicherbecken aufgrund von Gletscherschwund oder Niederschlagsrückgang austrocknen.

Kurzum: Ein neu aufgestauter See wirkt sich immer auch auf das umliegende Ökosystem und die darin wohnhafte Bevölkerung aus. Eine nachhaltige, ökologische und sozial verträgliche Energiepolitik sollte sich dessen bewusst sein.

Sebastian De Pretto

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