Nr. 45/2021 vom 11.11.2021

Velo schlägt Doppelgarage

Von Stephan Pörtner

Dass ein paar S-Bahn-Stationen vom Finanzzentrum entfernt Viehschauen stattfanden, für die sogar die auf den Radwegen dahinstrampelnden Hobbysportler:innen abbremsen mussten, konnte vielleicht doch erklären, warum es einen Stadt-Land-Graben gab, der nicht durch gemeinsame Fernsehprogramme, denselben Dialekt oder die Nutzung desselben Netflix-Angebots zugeschüttet werden konnte. Ganz im Gegenteil hatte sich auf dem Land die ehemalige Staatstreue in ein tiefes Misstrauen verwandelt, das angesichts der schmucken Häuser, gepflegten Gärten und Doppelgaragen nicht einfach nachzuvollziehen war. Wahrscheinlich musste man eine Weile dort leben, um es zu verstehen, aber wer wollte das schon, angesichts der Tatsache, dass es in der Stadt einfach schöner war?

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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