Nr. 14/2021 vom 08.04.2021

Es geht voran

Von Stephan Pörtner

Hochhäuser entlang beliebter Bahnlinien zu erstellen, war ein seit Jahrzehnten bewährter Plan, zufällig das Land bereisenden Personen einen Hauch von Retromodernität vorzugaukeln und der pendelnden Bevölkerung die Sicherheit zu vermitteln, dass es voranging. Weil sich aber seit einem Jahr die ZugpassagierInnen mehr als halbiert hatten und allgemein eine kritische Stimmung aufgekommen war, was Zukunftsaussichten und von nicht näher definierten Interessen inszenierte vermutete Täuschmanöver betraf, entwickelte sich diese Strategie zu einem veritablen Rohrkrepierer, weil diese Hochhäuser nun als Beton gewordene Mahnfinger interpretiert wurden, die daran erinnern sollten, aufzupassen und zu misstrauen, wo immer einem verkündet wurde, es sei alles in Ordnung.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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