Nr. 28/2022 vom 14.07.2022

Gesellschaftsprobleme im Wellenbad

Von Stephan Pörtner

Wer eine Wassererlebniswelt besucht, erlebt dort anstelle von Spass und Erholung je nach Stimmungslage und Verfassung eine geradezu apokalyptische Darstellung der Welt. Neben dem übermässigen, kaum zu rechtfertigenden Energieverbrauch solcher Anlagen drängt sich den Besuchenden dort eine Reihe dringlicher gesellschaftlicher Probleme wie Überbevölkerung, Fehlernährung, Alkoholmissbrauch, Kleinfamilienelend sowie ultrabinäres Geschlechterverständnis auf. Hinzu kommt die Symbolhaftigkeit des Wellenbads, in dem der unberechenbare Wasserspiegel dem arglosen Publikum bis zum Hals und noch höher steigt. Es vermögen nicht einmal mehr Ultramegabildschirme mit tanzenden Fabelwesen das Gemüt zu beruhigen, sodass nur noch ein schneller Abgang aus dieser Welt des Schreckens den Geist wieder beruhigen kann.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Pöschwies») und lebt in Zürich. 2022 ist sein neuer Roman, «Heimatlos», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Heimatlos» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop, www.woz.ch/shop, als Buch erhältlich.

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