Im Grenzverkehr : Ein altes Geschäft blüht auf

Nr. 34 -

Der Bürgerkrieg in Syrien und die schwere Wirtschaftskrise im Libanon treiben den Warenschmuggel zwischen den beiden Ländern an. Für viele Menschen beidseits der Grenze ist er eine der letzten Möglichkeiten, ihr Überleben zu sichern.

Illustration: Marktstand am Abend in Damaskus mit Lebensmitteln

Damaskus im Sommer 2021. Als Chaled Abbas* den kleinen Laden am Rand der syrischen Hauptstadt betritt, versucht er erfolglos, die Hände in die Hosentaschen zu stecken. Diese sind vollgepackt mit Geldbündeln, die wegen der hohen Inflation kaum noch etwas wert sind. Er geht zwischen den Regalen hindurch, packt Dosenfleisch, Reis, Kekse, Obst und Gemüse ein. Dann wendet er sich an den Verkäufer: «Gibt es keine Milch, Käse oder Mortadella?»

Der Verkäufer antwortet mit einem verschmitzten Lächeln: «Kommen Sie mit, Herr Abbas. Sie liegen mir am Herzen. Ich habe alles.» Die beiden Männer betreten das Hinterzimmer des kleinen Ladens. Dort findet Abbas, was er sucht: Mortadella, Milchpulver, Käse und grosse Mengen Brot der libanesischen Marken Shamseen und Tannourine. Schmuggelware, die aus dem Nachbarland nach Syrien gebracht wurde.

Die Produkte waren für die Supermarktregale im Libanon gedacht. Dort war im Oktober 2019 die schwerste Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes ausgebrochen. Um die Folgen für die Bevölkerung etwas abzufedern, subventionierte die Regierung eine Zeit lang gewisse Waren: Speiseöl etwa, Teigwaren, aber auch Benzin und Medikamente. Im Nachbarland Syrien kann man mit der verbilligten Ware gut Geld verdienen. Seit 2011 ist das Land international isoliert, Sanktionen schränken den Handel mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad erheblich ein. Die Szene aus dem Supermarkt in Damaskus aber ist ein Hinweis darauf, dass Syrien nicht ganz so abgeschnitten ist, wie es scheint – nur dass dieser Handel in keiner Statistik auftaucht.

Vor allem die Grenze zum Libanon ist durchlässig: Rund hundert Lastwagen mit Benzin sollen 2021 laut einem Bericht des European University Institute im italienischen Fiesole täglich die grüne Grenze vom Libanon Richtung Syrien überquert haben. Das ist nur deshalb möglich, weil die Schmugglernetzwerke, über die die Produkte nach Syrien gelangen, beidseits der Grenze bis in die höchsten politischen Eliten reichen.

Der Libanon und Syrien waren stets eng verbunden – politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich. Dabei sind die beiden Länder auf den ersten Blick überaus gegensätzlich: Syrien war jahrzehntelang sozialistisch geprägt und ist durch Sanktionen von der Weltwirtschaft isoliert; der Libanon hingegen galt schon immer als liberal, nach aussen orientiert und global vernetzt. Doch gerade wegen dieser Kontraste ist die gegenseitige Abhängigkeit hoch: Immer dann, wenn Syriens Wirtschaft durch Sanktionen eingeschränkt wird, ist der Libanon das wichtigste Transitland und die finanzielle Drehscheibe für syrische Geschäftsleute. Für den Libanon wiederum ist Syrien das natürliche Hinterland – und das einzige. Mit dem südlichen Nachbarn Israel gibt es bis heute weder ein Friedensabkommen noch wirtschaftliche Beziehungen. Ist die Grenze zu Syrien dicht, ist der Libanon wie eine Insel im Mittelmeer.

In den vergangenen Jahren hatte diese Abhängigkeit für beide Länder verheerende Folgen: Als 2011 der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, rutschte der Libanon in eine Rezession, die 2019 in einem Finanzkollaps und der Staatspleite endete. Die Wirtschaftskrise im Libanon wiederum liess die Inflation und die Preise in Syrien in die Höhe schnellen wie noch nie seit Kriegsbeginn. Für das Assad-Regime in Syrien und im Libanon vor allem für die Hisbollahmiliz bot der wirtschaftliche Zerfall zugleich eine Gelegenheit, den Schmuggel auszuweiten und den Profit daraus zu erhöhen. Vor allem für das syrische Regime ist der Schmuggel eine immer wichtiger werdende Einnahmequelle in einer Zeit, in der fast alle anderen Quellen versiegt sind.

Und dann sind da noch die Menschen, die an den verschiedenen Punkten des Netzwerks die Ware transportieren, über die Grenze bringen und verkaufen. Für sie ist der Schmuggel eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, ihr Überleben zu sichern.

Geldscheine im Militärausweis

Maalula, ein paar Dutzend Kilometer nördlich von Damaskus, nicht weit von der libanesischen Grenze. Hier in der Altstadt betrieb Baschar Adib* lange Zeit ein Café. Maalula ist ein bekannter christlicher Wallfahrtsort. Aber mit dem Krieg und der desolaten wirtschaftlichen Lage kommen kaum noch Tourist:innen – und Einheimische können sich immer weniger leisten, auswärts etwas zu essen und zu trinken.

Syrien steht heute am Rand einer Hungersnot. Rund neunzig Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Es ist eine Folge des Bürgerkriegs, der einen grossen Teil der heimischen Industrie und Landwirtschaft zerstörte. Dass die Lage heute so prekär ist, liegt aber auch an der Wirtschaftskrise im Libanon. Als dort im Oktober 2019 Millionen auf die Strasse gingen und gegen die Regierung protestierten und kurz darauf die Banken aus Angst vor einem Ansturm die Auszahlung von Bargeld beschränkten, verlor nicht nur das libanesische Pfund rasant an Wert. In Syrien entwickelte sich die Inflation beinahe parallel dazu, und auch das syrische Pfund sank auf ein Allzeittief.

Die Folgen davon sind gravierend. Laut einem Uno-Bericht braucht eine syrische Familie rund 230 Franken im Monat für Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis, Zucker, Linsen oder Öl. Ein durchschnittlicher Monatslohn liegt derweil bei rund 55 Franken. Dass sich jemand Fleisch und Käse überhaupt noch leisten kann, wie Chaled Abbas, der in dem kleinen Laden in Damaskus nach Mortadella suchte, ist eine Ausnahme. Für viele Menschen in Syrien sind gar Zitronen oder frisches Gemüse unerschwinglich geworden. Rund sechzig Prozent der Bevölkerung sind heute von Ernährungsunsicherheit betroffen – Millionen mehr als noch im Jahr 2020.

Statt in seinem Café auf Kundschaft zu warten, wartet der Mittdreissiger Adib an einem Novemberabend auf einen Anruf aus dem Libanon. Dieser soll ihm die Ankunft von Schmuggelware am vereinbarten Grenzpunkt mitteilen, der nur gerade fünfzehn Kilometer von seiner Stadt entfernt liegt. Es ist immer der gleiche Ablauf: Mitten in der Nacht wird Adib in Maalula seine Tarnjacke anziehen, seinen Armeeausweis sowie einen der berüchtigten Vierten Division, den er einem einflussreichen Offizier abgekauft hat, einstecken – und sich mit seinem Auto, auf dem ein Bild des Präsidenten Assad angebracht ist, auf den Weg zur Grenze machen.

Im Dorf Assal al-Ward, rund dreissig Minuten von Maalula entfernt, holt er die Fracht ab, die von Mitgliedern der libanesischen Hisbollah gebracht wurde: Zuckersäcke, diverse Öle und Pakete mit gebrauchter Kleidung. Auf dem Weg Richtung Damaskus wird er an drei Checkpoints vorbeikommen. Ein in den Militärausweis gesteckter 5000-Pfund-Schein genügt jeweils, um ungehindert passieren zu können.

Die Vierte Division der Armee kontrolliert den Schmuggel in jenem Teil von Syrien, der vom Assad-Regime beherrscht wird. Sie ist nicht einfach irgendeine Einheit der Armee – sie untersteht dem Kommando von Maher al-Assad, dem Bruder des Präsidenten. Ihre ursprüngliche Aufgabe war es, das Regime zu beschützen. Seit dem Bürgerkrieg aber hat die Vierte Division die Kontrolle in vielen Gegenden Syriens übernommen, vor allem entlang der libanesischen Grenze. Ihre Rolle im Schmuggel bedeutet vor allem eines: In Syrien muss die Mafia nicht im Untergrund operieren – das herrschende Regime selbst ist die Mafia.

Adib sieht kein Problem im Schmuggel. «Schau dir diese Berge an», sagt er, an seinem Fenster stehend, von dem aus er über die Hänge des Libanon sieht. «Das Land wird zwischen uns und dem Libanon geteilt. Meine Grossmutter hat mir noch erzählt, wie sie, als sie klein war, dieses Land abgeholzt haben, ohne dass hier eine Grenze verlief.» Die Grenze sei von Politikern festgelegt worden, um die Menschen zu ersticken. Er öffnet das Fenster, kalte Luft bläst herein. Dann sagt er: «Wie kann ich ohne Schmuggel das Geld aufbringen, um Treibstoff und Lebensmittel für meine Familie zu kaufen?»

Zigaretten, Waffen, Journalist:innen

Ein Stück nördlich von Maalula, auf der anderen Seite der Grenze, liegt das libanesische Dorf Wadi Chaled. Ein Bach, der sich durchs Tal windet, markiert hier die Grenze. Auf dem Hügel dahinter weht die syrische Flagge. «Dort ist ein illegaler Übergang», sagt Yussef Ibrahim* und deutet den Bach hoch. Gleich daneben steht ein Fahrzeug der libanesischen Armee. «Die sind einfach hier, um zu zeigen, dass sie hier sind.»

Ibrahim, ein schlaksiger Mann Anfang zwanzig, ist in Wadi Chaled aufgewachsen. Seine Familie gilt in dieser armen Gegend als wohlhabend: Sein Vater besitzt eine Importfirma in der Hafenstadt Tripolis. Seinen richtigen Namen will aber auch Ibrahim nicht in der Zeitung lesen. Schliesslich erzählt er von einem Geschäft, das hier zwar alltäglich, aber dennoch illegal ist.

Es sind kuriose Szenen, die sich in diesem abgeschiedenen Tal abspielen. Im Sommer 2021 stauen sich wegen des Mangels an Benzin und Diesel überall im Libanon die Autos vor den Tankstellen, verstopfen Autobahnen, Haupt- und Quartierstrassen, um mit Glück halb vollgetankt zu werden. In Wadi Chaled aber, an der Grenze, fahren Motorräder mit Plastikkanistern voller Benzin auf den selbstgebastelten Trägergestellen vorbei, Pick-ups mit doppeltem Boden für Schmuggelware, und Soldaten spazieren so entspannt umher, als ginge sie das Ganze gar nichts an.

Schmuggel ist in Wadi Chaled nichts Neues. Die Menschen hier sind eng mit Syrien verbunden: Familien sind über die Grenze hinweg verschwägert, und zum Arzt geht man in der syrischen Stadt Homs, die näher als das libanesische Tripolis liegt. Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 gelangten hier Fleisch und Zigaretten aus Syrien ins Land, die dort billiger waren. Während des Kriegs wurden Waffen nach Syrien geschleust, Kämpfer überquerten die Grenze bei Wadi Chaled ebenso wie ausländische Journalist:innen. «Die Leute hier sind arm», erklärt Ibrahim. «Entweder haben sie Kühe, besitzen Land – oder sie schmuggeln.»

Derweil der illegale Benzinhandel für die Menschen in Wadi Chaled beinahe die einzige Möglichkeit ist, ihr Überleben zu sichern, ist er für andere ein Millionengeschäft. «Die Grenze ist faktisch komplett offen», sagt Joseph Daher, der an der Universität Lausanne zur politischen Ökonomie Syriens forscht. «Wenn man die offiziellen Statistiken anschaut, ist der Handel zwischen dem Libanon und Syrien seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs gleich geblieben oder gar zurückgegangen. Aber der Schmuggel ist zentral, vor allem für Syrien.»

Im Libanon sind die Schmuggelnetzwerke seit Jahren etabliert – und auch hier eng mit den herrschenden Eliten verbunden: Ein Grossteil des Schmuggels wird von der schiitischen Hisbollahmiliz kontrolliert, die in Syrien aufseiten des Assad-Regimes kämpft. Doch auch alle anderen politischen Parteien, selbst jene, die der syrischen Opposition nahestehen, verdienen mit. Das sagen nicht nur viele, die sich mit der Thematik auskennen – es ist auch in Wadi Chaled offensichtlich. Ansonsten wäre es kaum möglich, dass die Benzinkanister am helllichten Tag und vor den Augen der Armee die Grenze überqueren.

Zwischen 120 und 150 illegale Grenzübergänge gibt es laut Daher. In den letzten Jahren hat der Schmuggel zwischen dem Libanon und Syrien nochmals stark zugenommen. Bis zu einer Milliarde Liter Benzin sollen 2021 illegal aus dem Libanon nach Syrien gelangt sein. Das libanesische System fing schon mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien an zu bröckeln: Das Land produziert kaum etwas, die Wirtschaft lebte vor der Krise im Wesentlichen von den Banken, dem Immobiliensektor und dem Tourismus. Doch als in Syrien der Krieg ausbrach, blieben die Tourist:innen weg, Investitionen in den Immobiliensektor gingen zurück. Um der Rezession entgegenzuwirken, versuchte die Zentralbank, mit immer höheren Zinsen ausländische Anleger:innen anzulocken. Sie wollte die Löcher stopfen – und schuf damit eine Blase, die früher oder später platzen musste.

Was 2019 als Finanzkrise begann, führte seither zum fast vollständigen Kollaps, der das ganze Land erfasst. Das libanesische Pfund hat 95 Prozent seines Werts verloren, die Preise – selbst die von Grundnahrungsmitteln – haben sich vervielfacht. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie noch nie, mit den Löhnen kann man kaum noch etwas kaufen. Die Hoffnung der Regierung, mit der Subvention von Gütern das Schlimmste zu verhindern, erwies sich als falsch. Der libanesische Staat ist pleite und kann sich solche Subventionen eigentlich schon lange nicht mehr leisten. Gleichzeitig verliessen nicht nur lastwagenweise Güter das Land Richtung Syrien; Zwischenhändler:innen horteten zudem ihre Waren, weil sie auf die Aufhebung der Subventionen und damit eine höhere Gewinnmarge spekulierten. In der Folge waren die Regale in den libanesischen Apotheken leer und die Schlangen vor den Tankstellen kilometerlang.

Die Situation änderte sich erst, als die Regierung im Oktober 2021 anfing, die Subventionen für gewisse Produkte schrittweise aufzuheben. Der Schmuggel dieser Produkte nach Syrien ging daraufhin zwar etwas zurück – doch die wirtschaftliche Situation im Libanon spitzte sich weiter zu. Die Schlangen vor den Tankstellen verschwanden – auch weil das Benzin heute so teuer ist, dass es sich kaum jemand leisten kann. Staatsangestellte verdienen weniger als hundert Dollar pro Monat, was nicht einmal die Fahrtkosten zur Arbeit deckt. Deswegen streiken die Mitarbeitenden in vielen Ministerien und bringen damit Teile der öffentlichen Verwaltung faktisch zum Stillstand. Autos werden offiziell keine mehr registriert, keine Heiraten oder Geburten eingetragen – ausser vielleicht, man hat gute Kontakte und das nötige Kleingeld. Über achtzig Prozent der Bevölkerung im Libanon leben heute allerdings in Armut. Die wirtschaftliche Situation gleicht, keine drei Jahre nach dem Ausbruch der Krise, immer mehr jener in Syrien nach zehn Jahren Bürgerkrieg.

Drogen aus der Diktatur

Der Warteplatz der syrischen Lastwagenfahrer befindet sich auf einem Parkplatz ausserhalb des Hafens von Beirut. Früher parkten sie hier in der libanesischen Hauptstadt ein paar Stunden, höchstens einige Nächte, bevor sie ihre Ware luden, die sie weiter nach Syrien lieferten. Nun warten sie oft wochenlang.

Seit über zwei Jahren haben sie kaum noch Arbeit. Das liegt zum einen an der Wirtschaftskrise, die kaum einen Sektor unberührt lässt. Doch im Fall der syrischen Camionneure hat der Rückgang vermutlich noch einen weiteren Grund: den «Ceaser Act», ein weitreichendes Sanktionspaket, das der frühere US-Präsident Donald Trump 2020 gegen das Assad-Regime verabschiedete und das weiter als alle bisherigen Sanktionen geht: Unter dem «Ceaser Act» können auch Drittstaaten von den USA sanktioniert werden, wenn sie unerlaubte Güter nach Syrien liefern.

Doch es gibt Schlupflöcher, der Hafen von Beirut ist vermutlich das wichtigste. Er wurde schon immer auch als Knotenpunkt für Importe nach Syrien genutzt, neben den syrischen Häfen Latakia und Tartus. Nur funktioniere es heute anders, erklärt Joseph Khoury, Experte für die internationale Handelspolitik des Beiruter Hafens.

Er deutet auf die Becher vor ihm auf dem Cafétisch: «Früher wären diese Becher nach Beirut verschifft, als Transit registriert und weiter nach Syrien transportiert worden.» Zwar würden die Produkte auch jetzt noch über den Libanon nach Syrien gelangen. Nur: «Jetzt werden sie als Import nach Beirut registriert.» Der Weitertransport nach Syrien werde von einer im Libanon registrierten Firma organisiert, deren wahrer Besitzer meist eine syrische Geschäftsperson sei. Die Bezahlung erfolge in Bargeld, um eine Transaktion über das Swift-System zu umgehen. Der Handel nach Syrien geht also weiter – nun aber teils im Untergrund. Die Ware mag eine andere sein, doch der Schmuggel bleibt zentral – und bleibt vor allem für das syrische Regime eine zentrale Einnahmequelle.

Inzwischen beschert ihm vor allem ein Produkt Milliardeneinnahmen: Captagon, ein Amphetamin, das im ganzen Nahen Osten und vor allem bei der Jugend in den Golfstaaten beliebt ist. Syrien hat sich in den letzten Jahren zum wichtigsten Hersteller entwickelt. Der Drogenhandel ist so zentral geworden, dass etwa die «New York Times» vom neuen «Narco-Staat» Syrien schreibt. Inzwischen soll es im ganzen Land Fabriken für die Pillen geben, die vergleichsweise einfach herzustellen sind.

Rund 250 Millionen Stück wurden 2021 weltweit beschlagnahmt. Ob in Italien, Griechenland oder Saudi-Arabien: Immer wieder gibt es Berichte, dass in irgendeinem Hafen auf der Welt ein Schiff voller Captagon entdeckt wurde. Eine Ladung mit fast fünf Millionen Pillen – versteckt in Granatäpfeln – wurde im Frühling 2021 im Hafen der saudischen Stadt Jeddah entdeckt. Das Schiff kam allerdings nicht aus Syrien, sondern aus Beirut.

Das saudische Königshaus stoppte daraufhin den Import von Früchten und Gemüse aus dem Libanon. Ein harter Schlag für die libanesischen Bäuer:innen, die ohnehin schon unter der Krise litten. Sie fühlten sich unfair behandelt. Denn sie waren sich sicher, woher die Ware eigentlich kam: aus Syrien.

* Name geändert.

Illustration: Soldaten an der syrischen Grenze

Karam Mansour ist ein Pseudonym. Der Autor lebt in Damaskus und schreibt zu seiner Sicherheit unter diesem Namen.

Recherchierfonds

Dieser Artikel wurde ermöglicht durch den Recherchierfonds des Fördervereins ProWOZ. Dieser Fonds unterstützt Recherchen und Reportagen, die die finanziellen Möglichkeiten der WOZ übersteigen. Er speist sich aus Spenden der WOZ-Leser:innen.

Förderverein ProWOZ unterstützen