Serie : Ihr seid nicht schuldig

Nr.  34 –

Zwei Ereignisse, die mehr miteinander zu tun haben, als es zunächst scheint, stehen am Anfang der baskischen Serie «Intimidad» (deutscher Titel: «Rein privat»): Eine Frau geht an einem einsamen Strand ins Meer – sie wird nie mehr zurückkommen. Gleichzeitig werden Bilder im Fernsehen veröffentlicht, die eine erfolgreiche Politikerin beim Sex mit einem Unbekannten am Strand zeigen.

Die Politikerin ist Malen (grossartig: Itziar Ituño, bekannt als Lissabon aus «Haus des Geldes»); die ehemalige Juristin möchte Bürgermeisterin von Bilbao werden. Doch nach den Filmaufnahmen scheint das unmöglich: Auf Social Media wird gegen sie gehetzt, ihre fast nur männlichen Parteikollegen fordern ihren Rücktritt, und auch zu Hause geraten die Dinge aus den Fugen. Ihr Mann verlässt sie, ihre Teenagertochter Leire, die wegen der veröffentlichten Filmaufnahmen gemobbt und von ihrem Freund verlassen wird, verliert den Boden unter den Füssen. Malen jedoch widersetzt sich den misogynen Kolleg:innen; sie schämt sich nicht für ihr an die Öffentlichkeit gezerrtes Sexleben und weigert sich, sich schuldig zu bekennen.

Die achtteilige Serie verknüpft Malens Geschichte mit jener von Ane, der Frau, die sich zu Beginn das Leben nimmt. Sie wurde in der Fabrik von ihren Arbeitskollegen fertiggemacht wegen Fotos, die sie beim Sex zeigen. Ihre Schwester beginnt nachzuforschen, versucht, die Schuldigen anzuklagen, und kommt schliesslich mit Malen in Kontakt.

«Intimidad» behandelt ein wichtiges Thema und versucht, aufklärerisch zu sein. Wehrt euch, schämt euch nicht, denn ihr seid Opfer und nicht Schuldige – das ist die Message, die manchmal etwas gar penetrant über allem schwebt. Leider hat die Serie auch in der Umsetzung gewisse Schwächen: Immer wieder sehen wir einfach zwei Leute, die einen Dialog führen – das ist auf Dauer etwas eintönig. Und obwohl Malen Politikerin ist, bekommt man kaum etwas aus ihrem Politikalltag oder über ihre Positionen mit. Doch Itziar Ituño trägt durch die Serie – unterstützt von einem starken, vorwiegend weiblichen Cast. Dass Malen ausserdem die schreckliche Situation so würdevoll meistert und die mächtige Männertruppe gegen die Wand fahren lässt, stimmt hoffnungsvoll.

«Intimidad» läuft zurzeit auf Netflix.