Internationale Protestbewegung: Von Zürich bis Kobane

Nr. 5 –

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Demonstration in Genf
«Biji Rojava!» (Es lebe Rojava!): Demonstration am vergangenen Samstag in Genf. Foto: Eric Dubost, Imago

Vor dem feministischen Streikhaus in Zürich setzt sich am Samstagmorgen eine hupende Autokolonne in Bewegung. Aus den Fenstern wehen Fahnen der kurdischen Fraueneinheiten YPJ, Mitfahrende strecken zwei Finger in die Luft und rufen «Biji Rojava!» (Es lebe Rojava!).

Die «Peoples Caravan» macht kurz halt auf ihrer Reise nach Kobane: Rund 30 Internationalist:innen sind dabei, auf ihrem weiteren Weg werden sich bei jedem Stopp weitere Gruppen anschliessen. Wenige Tage später sind es bereits über 600 Menschen, die am Erscheinungstag dieser WOZ die Grenze zwischen der Türkei und Syrien erreicht haben dürften. Dort wollen sie die Belagerung Kobanes durchbrechen, wo sich derzeit schätzungsweise 400 000 Menschen – darunter viele Geflüchtete aus der Umgebung – aufhalten. Seit die syrischen Truppen die Stadt umzingeln, fehlt es dort an allem Lebensnotwendigen.

Anfang Jahr zog die Armee los, um Rojava zu unterwerfen. Mit internationaler Unterstützung: Die Türkei lieferte Waffen, die USA und Israel stärkten ihnen den Rücken. Kurz nach den ersten Angriffen sicherte die EU der Übergangsregierung 620 Millionen Euro für den Wiederaufbau zu. Gleichzeitig wächst aber vielerorts der Widerstand auf den Strassen.

Täglich gibt es europaweit Demonstrationen, um den Erhalt Rojavas zu fordern. Auch in der Schweiz finden von Aarau über St. Gallen bis Winterthur teils täglich  Kundgebungen statt; über eine Woche lang besetzten Kurd:innen den Bundesplatz in Bern, mit Lagerfeuer und Transparenten.

Und Zürich erlebte eine der lautesten Demos seit langem: 10 000 Menschen nahmen sich die Strassen, darunter zahlreiche Kurd:innen, Familien mit Kleinkindern genauso wie wütende Jugendliche und Menschen, die einst selbst vor dem IS fliehen mussten. Ihnen schlossen sich viele solidarische Internationalist:innen an. Gemeinsam wollen sie nicht nur Partei für das Existenzrecht der kurdischen Selbstverwaltung ergreifen, sondern auch mit Rojava ein hoffnungsvolles politisches Projekt mit demokratischem, ökologischem und feministischem Selbstanspruch verteidigen.