Pop: Weitermachen ist Handarbeit

Nr. 5 –

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Album-Cover «Big Hug» von Big Zis
Big Zis: «Big Hug». 819 215. 2026.

Ja, was hilft denn noch? Zusammenarbeit selbstverständlich. Also schlingt Big Zis, die immer Rapperin war und immer über Rap hinausgedacht hat, auf ihrem neuen Album «Big Hug» ihre Arme um einen Schnitz der hiesigen Musikszene – ganz unterschiedlichen Künstler:innen, denen sie für jeweils einen Track den Lead übergibt.

Sechzehn Versionen von Songs ihres Albums «B:I:G» (2024) sind so entstanden, die mit Rap auch mal nicht mehr viel zu tun haben, sehr wohl aber mit der Arbeit von Big Zis: dem unermüdlichen Weitermachen, dem feministischen Netzwerken, dem lustvollen Zugang in diesem manchmal so ernsthaften Schweizer Rapzirkus.

Wir hören unterschiedliche Rap-Entwürfe, etwa von Jessica Jurassica und Zeny («Zis Entitlement»), der Berner Crew Eto («Ich Wolke») oder Alwa Alibi (die in «Haters Anthem» einem Typ verspricht, ihn in den Arm zu nehmen: «wüu dini Boys mi lieber lose aus di, u dini Girls mi lieber küsse aus di»). Aber eben auch vieles, das in andere musikalische Richtungen drängt: Radon screamen eine schleppende Doom-Version von «UFà», Sun Cousto basteln aus «Velove» eine ihrer kargen, bloss aus Gitarre und Schlagzeug bestehenden Riot-Grrrl-Popnummern.

Chewlie remixt «Velove» als basslastigen Dubstep, «Bilani» wird von Taranja Wu in Richtung Wave gezogen, «Liftmusig» von Ester Poly – sehr roh, sehr gut – zum Punk. Grossartig auch «Du Weisch» mit Les Reines Prochaines: «Mier sind immer no da, und mier läbed no», jubeln die Königinnen, Bandgründung 1987, auf ihre hinreissend krumme Art. Es ist auch ein Versprechen an all die anderen auf diesem Album, auf dem neben verschiedenen Genres, Sprachen und Dialekten auch mehrere Generationen vertreten sind.

«Das bliibt Handarbeit», wie es einmal heisst: Antifa, klar. Aber auch, sich im garstigen Schweizer Musikbusiness, gerade auch im sogenannten Rap-Game, immer weiter zu behaupten.

Live: Bern Dachstock, 30. Januar 2026, mit Alwa Alibi und Skinny Bird. Luzern Südpol, 5. Februar 2026, mit Taranja Wu und Skinny Bird. Basel Kuppel, 20. Februar 2026, mit Les Reines Prochaines und Skinny Bird.