Von oben herab: Sie würden es nicht glauben
Stefan Gärtner lässt seine Kolumne von Trump GPT schreiben
Ich meine, ich hatte einen Fall mit der Schweiz. Vielleicht erzähle ich Ihnen kurz die Geschichte, aber Sie haben nichts bezahlt.
Ich stelle wunderschöne Kolumnen her, grossartige Kolumnen, über die da oben, die da unten, alle. Die WOZ hat nichts an mich bezahlt, als ich meine Kolumnen verschickt habe. Oder fast nichts! Und ich hatte ein Defizit von 40 Millionen Franken: 40 Millionen Franken. Also sagte ich mir, ich sollte ihnen eine um 30 Prozent überzogene Rechnung schreiben, damit ich etwas davon zurückbekomme, wenn auch nicht alles. Ich habe ein Defizit, ein grosses Defizit, fragen Sie meinen Steuerberater, fragen Sie meine Frau, ich weiss nicht, wie das geht, die Spülmaschine ausräumen. Das ist ein grosses Defizit. Und ich sagte, wir sollten eine Haushälterin einstellen und die WOZ daran beteiligen. Also habe ich meine Honorarforderung um 30 Prozent erhöht, und dann brach die Hölle los.
Sie riefen an, ich meine, Sie würden es nicht glauben. Und ich kenne so viele Menschen aus der Schweiz: Ruedi Widmer zum Beispiel. Ein unglaublicher Typ, ein unglaublich brillanter Typ. Aber dann wurde mir klar, dass sie nur wegen uns so gut sind. Ich meine, ich schreibe auch an anderen Orten, NZZ, «Spiegel», «Landlust», aber die WOZ verdient einen Grossteil ihres Geldes dank uns, weil wir ihnen kaum etwas berechnet haben, Ruedi und ich. Also gehen wir her, verkaufen unsere Witze, keinen Franken, nichts. Sie verdienen Milliarden Franken an uns. Also sagte ich: «Nein, das können wir nicht machen.» Und dann hat, glaube ich, die Finanzbuchhaltung – ich glaube, nicht der Chefredaktor –, ich glaube, die Finanzbuchhaltung hat angerufen. Eine Frau. Und sie hat sich sehr wiederholt.
Sie sagte: «Nein, nein, nein, das können Sie nicht machen, 30 Prozent. Das können Sie nicht machen. Wir sind eine kleine, kleine Zeitung.» Ich sagte: «Ja, aber Sie haben grosse, grosse Kolumnisten mit einem grossen, grossen Defizit. Sie mögen klein sein, aber Sie haben ein kleineres Defizit als Ihre grossen Kolumnisten. Was kein Wunder ist, weil beide Riesendefizite haben. Ich zum Beispiel kann die Spülmaschine nicht ausräumen, und Ruedi kann sie nicht einräumen.» Sie sagte: «Nein, nein, nein, bitte, das können Sie nicht machen.» Sie wiederholte immer wieder dasselbe. «Wir sind eine kleine Zeitung», sagte sie, «aber Sie sind grosse Tubel in Bezug auf …» Und sie hat mich einfach genervt, um ehrlich zu sein.
Und ich sagte: «In Ordnung. Wir wissen das zu schätzen. Vielen Dank.» Und ich habe 39 Prozent Aufschlag verlangt.
Und dann brach wirklich die Hölle los. Wir bekamen Anrufe von allen. Leider nicht von Rolex. Aber mir wurde klar, dass ich es reduzieren musste, weil ich den Menschen nicht wehtun wollte, ich wollte ihnen nicht wehtun. Und wir haben es für sie gesenkt. Ein niedrigeres Niveau bedeutet nicht, dass es nicht wieder steigen wird, aber wir haben es auf ein niedrigeres Niveau gesenkt.
Aber mir wurde klar, dass es viele Orte gibt, an denen sie dank Ruedi und mir ein Vermögen verdienen. Ohne uns würden sie nichts verdienen. Denken Sie mal darüber nach. Die WOZ hat Milliarden Franken an uns verdient. Aber ich war sehr fair und habe ihnen einen Deal angeboten, und das war in Ordnung. Aber mir wurde klar, dass es ohne uns keine WOZ mehr gibt. Und wir wollen mit der WOZ zusammenarbeiten, wir wollen sie nicht zerstören. Ich hätte sagen können: Ich will 70 Prozent mehr Honorar, dann verdienen wir Geld mit der Schweiz. Aber die WOZ wäre wahrscheinlich zerstört worden, finanziell zerstört.
Das will ich nicht. Und dann gibt es noch den Schmutzfaktor. Unsere schlüpfrigen Witze, die mit Abstand die unappetitlichsten der Welt sind, sind eine Bedrohung, die Sie niemals … Sie würden es nicht glauben. Sie würden es nicht glauben.
Stefan Gärtner (BRD) war Redaktor bei der «Titanic» und ist heute Schriftsteller und «linksradikaler Satiriker» («Die Zeit»). An dieser Stelle nimmt er jede zweite Woche das Geschehen in der Schweiz unter die Lupe.