Trumps Motive: Zwei Milliarden vom Kronprinzen

Nr. 10 –

Was treibt den US-Präsidenten beim Krieg gegen den Iran an? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus persönlicher Korruption, Machthunger und innenpolitischem Druck.

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Muhammad Bin Salman und Donald Trump mit einer Tafel, auf welcher Rüstungsgeschäfte aufgeführt sind
Geschäfte unter Freunden: Muhammad Bin Salman und Donald Trump 2018 im Weissen Haus. Foto: Jonathan Ernst, Reuters

Nur «zwei oder drei Tage» dauere der Einsatz womöglich, sagte Donald Trump am Samstag, nachdem er in der Nacht zuvor von seinem Privatklub Mar-a-Lago aus die Bombardierung des Iran bekannt gegeben hatte. Am Sonntag verlautete der US-Präsident dann, dass «vier oder fünf Wochen» angestrebt würden. Und am Montag schliesslich erklärte Trump, dass auch der Einsatz von Bodentruppen nicht ausgeschlossen sei. Man habe sich für eine «weit längere» Zeit gewappnet.

Während Trump seit Jahren ein Ende der «endlosen Kriege» verspricht und nicht zuletzt deshalb 2024 erneut gewählt wurde, hat er nun im Verbund mit Israel einen Krieg begonnen, dessen Anfang völkerrechtswidrig und dessen Ende nicht absehbar ist. Eine «akute Bedrohung» für die USA, wie von Trump am Wochenende mit Bezug auf das iranische Nuklearprogramm skizziert, liegt nicht vor. Selbst der eigene Geheimdienst kommt zu diesem Ergebnis. Militärexpert:innen weisen zudem darauf hin, dass iranische Raketen die USA nicht erreichen könnten. Am wenigsten sollte man der US-Regierung glauben, dass sie um die unterdrückte iranische Bevölkerung besorgt ist. An Menschenrechtsverletzungen stört sich Trump weder im eigenen Land noch woanders.

Die Unzufriedenheit wächst

Trump macht, was er will. Aber was er will, scheint er auch nicht so richtig zu wissen. Mal wird ein Regimewechsel als Ziel genannt, dann wieder ein Kompromiss mit dem Regime. In einem Interview Anfang der Woche sagte Trump, dass neben dem iranischen Führer Ali Chamenei auch diejenigen Regierungsmitglieder getötet worden seien, von denen man gedacht habe, dass sie dem Revolutionsführer folgten. Überrascht sei man nun davon, dass der Iran die Angriffe mit Gegenschlägen auf Nachbarländer beantworte. Genau diese Reaktion hatte die iranische Führung in den vergangenen Monaten allerdings immer wieder angekündigt. Ob man Trump die Verwunderung abkauft oder nicht – am Ende bleibt, dass seine «Operation Epic Fury» eine blutige Kettenreaktion im Nahen Osten ausgelöst hat. Mehr als zehn Länder sind mittlerweile direkt involviert, zahlreiche Zivilist:innen tot.

Ein beträchtlicher Teil der US-Bevölkerung ist gegen diesen Krieg. In einer aktuellen Reuters-Umfrage geben 43 Prozent der Befragten an, dass sie den Einsatz im Iran für falsch halten. Nur 25 Prozent der US-Amerikaner:innen stimmen mit der Regierung überein. Auch an der rechten Basis wächst die Unzufriedenheit. Knapp ein Viertel der republikanischen Wähler:innen sind der Meinung, dass Trump grundsätzlich zu viel militärische Gewalt einsetze, um US-Interessen durchzusetzen. Mehrere namhafte rechte Medienfiguren stellen sich inzwischen gegen die Kriegspolitik des Präsidenten. Tucker Carlson beispielsweise, ein langjähriger Freund und Verbündeter Trumps, nennt den Angriff «absolut widerlich und böse».

Von Netanjahu angeheizt

Kein Plan, keine glaubhafte Rechtfertigung, keine öffentliche Unterstützung. So in etwa lässt sich das, was die USA im Iran machen, bislang zusammenfassen. Bleibt die Frage, was die Motive für diesen Krieg sind. Was hat Trump zum Angriff bewogen?

Wie in allen anderen Bereichen muss man davon ausgehen, dass es dem US-Präsidenten vorrangig um sich selbst geht. Trump will den Nachrichtenzyklus bestimmen, Dominanz ausstrahlen. Was bietet sich da besser an, so offenbar der Gedanke, als ein Schlag gegen den langjährigen Feind der USA, Teil der sogenannten Achse des Bösen? Wenn Trump glaubt, mit einem Krieg seine Macht zementieren zu können, ist das Versprechen, keine Kriege mehr anzuzetteln, jedenfalls perdu. Dazu kommt, dass die diversen innenpolitischen Probleme, mit denen er sich herumschlägt, vom Frust der Bevölkerung über hohe Lebenskosten bis zum Epstein-Skandal, zumindest eine Weile lang in den Hintergrund rücken. Trump bombardiert, weil er es kann – und setzt damit eine US-Tradition fort. Anders als bei früheren völkerrechtswidrigen Operationen gibt sich die Regierung in diesem Fall nur weniger Mühe bei der Propaganda.

Wie verschiedene grosse US-Medien berichten, wurde Trumps Entscheidung in den vergangenen Wochen massgeblich von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu angeheizt. Noch im Dezember habe Netanjahu bei Trump um Erlaubnis gebeten, militärische Standorte im Iran anzugreifen. In den zwei folgenden Monaten sei dann der Plan gewachsen, nicht alleine, sondern zusammen mit den USA die Militäroffensive zu starten. Netanjahu habe gegenüber Trump zuletzt gedrängt, dass nun der richtige Zeitpunkt sei, schreibt die «New York Times». Bemerkenswerterweise hat Aussenminister Marco Rubio dieses Narrativ am Montag bestätigt: Weil klar gewesen sei, dass Israel den Iran angreifen werde und das wiederum zu militärischen Schlägen des Iran gegen die USA führe, sei gar nichts anderes übrig geblieben als ein «präventiver» Einsatz, sagte Rubio. Netanjahu jedenfalls freute sich nach Kriegsbeginn in einem öffentlichen Statement, dass ihm die Allianz mit den USA ermöglicht habe, «zu tun, wonach ich mich seit vierzig Jahren sehne: dem Terrorregime einen schweren Schlag zu versetzen».

Es fällt nicht schwer, bei Trump auch finanzielle Interessen als Beweggrund zu erkennen. Der US-Präsident und seine Familie pflegen seit Jahren intensive Geschäftsverbindungen in die Golfregion. Das Königshaus der Vereinigten Arabischen Emirate etwa hat sich mit 500 Millionen Dollar in das Kryptounternehmen World Liberty Financial eingekauft, das von Trumps Söhnen geleitet wird. In Saudi-Arabien wiederum hat Trumps Immobilienunternehmen erst kürzlich mehrere Projekte in Milliardenhöhe ausgehandelt. Sowohl Saudi-Arabien als auch die Vereinigten Arabischen Emirate werden von Trump immer wieder als wichtige Verbündete gelobt. Und beide Länder liegen mit dem Iran über Kreuz.

«Wir setzen militärische Gewalt ein, um genau den Ländern zu helfen, die Trump und seine Familie reich gemacht haben», schreibt der renommierte US-Historiker Timothy Snyder in einem aktuellen Beitrag. Für Snyder ist klar, dass «persönliche Korruption» als Motiv für den Krieg zumindest diskutiert werden müsse. Auch der bekannte Journalist Judd Legum weist aktuell auf die geschäftlichen Verbandelungen der Trump-Clique in der Golfregion hin. Vor allem Trumps Schwiegersohn Jared Kushner spiele eine wichtige Rolle.

Gute Kontakte zu Golfmonarchien

Kushner ist nicht nur der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka, sondern agiert bereits seit vielen Jahren auch politisch an der Seite des US-Präsidenten. Während Trumps erster Amtszeit war er Sonderbeauftragter der US-Regierung für den Nahen Osten. Nachdem Trump 2020 aus dem Weissen Haus gewählt worden war, betätigte sich Kushner als Investor – mit einem Fokus auf die Golfregion. Der Staatsfonds von Saudi-Arabien, geleitet von Kronprinz Muhammad Bin Salman, investierte 2021 rund zwei Milliarden Dollar in Kushners Private-Equity-Fund. Für den Kauf des Computerspielekonzerns Electronic Arts hat sich Kushner ebenso mit Saudi-Arabien zusammengetan. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben 200 Millionen in Kushners Firma gesteckt.

Seit Trump Anfang 2025 ins Weisse Haus zurückgekehrt ist, fungiert Kushner nun wieder als Sondergesandter des Präsidenten. Im vergangenen Jahr lautete sein Auftrag primär, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln. Letzte Woche reiste Kushner zusammen mit dem Sonderbeauftragten Steve Witkoff nach Genf, um mit dem iranischen Aussenminister zu verhandeln. Laut «New York Times» seien Kushner und Witkoff von dieser Reise mit der Meinung zurückgekommen, dass sich der Iran nicht auf volle Abrüstung einlasse. Das habe zu Trumps finaler Entscheidung geführt.

Wie auch immer sich die Motive zusammensetzen – unter dem Strich hat Trump mit seinem Manöver vor allem ein blutiges Chaos ausgelöst. Das US-Aussenministerium appellierte am Montag an die US-Bürger:innen in vierzehn Ländern des Nahen Ostens, sofort auszureisen.