05.12.2002

Drei ehrenwerte Herren

Von Jan Keetmann, Istanbul

Noch gibt es keinen Kriegsgrund, aber alle Welt geht davon aus, dass sich schon einer finden wird. Und so suchen die USA seit längerem einen Nachfolger für Saddam Hussein. Dass darüber nicht an irakischen Wahlurnen, sondern in Washington entschieden wird, steht bereits fest. Aber wer soll die neue Militärregierung führen?

Ganz vorne auf der Liste stand bis vor einiger Zeit Ahmed Djalabi, dessen Familie zu Zeiten der von Britannien eingesetzten Monarchie grossen Einfluss besass. Djalabi hatte 1992 mit finanzieller Hilfe des CIA den Irakischen Nationalkongress (INC) gegründet und legte seinen Förderern auch prompt einen Umsturzplan vor. Der Umsturz endete 1995 in einem Desaster; Saddam Husseins Truppen überfielen das kurdische Erbil und machten unter Djalabis Leuten keine Gefangenen. Djalabi ging nach London und kämpfte weiter – vor allem gegen seinen schlechten Ruf. In Jordanien war er nämlich in Abwesenheit wegen einer Bankpleite zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Dem von ihm betriebenen Fernsehsender wurde von den USA mehrmals das Geld gesperrt, weil er keine Abrechnungen vorlegte. Auch im INC gab es, als dieser noch ein echter Dachverband der irakischen Opposition war, viel Kritik an seiner Person und an seinem Finanzgebaren. Mittlerweile hat anscheinend auch das US-Aussenministerium das Vertrauen in ihn verloren.

Dabei ist Djalabi vielleicht noch der sympathischste unter den derzeit gehandelten Saddam-Nachfolgern. Ihm kann man zumindest keine Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen nachsagen. Das ist bei den anderen US-Favoriten nicht der Fall. Für den ehemaligen irakischen Generalstabschef Nizar al-Hazradji spricht seine frühere Stellung und seine Herkunft (sunnitische Araber wie er sind seit der Kolonialzeit im Irak stets federführend gewesen). Ein schwankendes Offizierskorps könnte zu ihm überlaufen. Dummerweise hat er aber den Fehler begangen, in Dänemark um Asyl zu bitten. Dort nimmt man es mit dem internationalen Recht nämlich besonders genau; al-Hazradji wurde wegen Verbrechen im Krieg gegen den Iran angeklagt. Er soll auch am Giftgasangriff auf Chalabja (1988) beteiligt gewesen sein.

So kann Washington derzeit nur noch ein Unschuldslamm vorzeigen: General Nadjib al-Salhi. Dieser war nach eigenen Aussagen nirgendwo dabei gewesen und immer schon dagegen – auch bei den zwei Kriegen, in denen er für Saddam mitgekämpft hat. So wollte es offensichtlich auch nur das Schicksal, dass ausgerechnet Regimegegner Nadjib al-Salhi im August 1990 Panzergrenadiere nach Kuweit führte.

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