Koloniale Währung: Eine Münze, die sich nicht festlegen lässt

Nr. 13 –

Die Durchsetzungskraft des Kaptitalismus speist sich nicht unwesentlich aus seinen Schwächen und Widersprüchen. Das veranschaulicht die Geschichte der deutschen Rupieim heutigen Tansania.

Silberrupie als gelochte Münze mit der Aufschrift «1911 Deutsch Ost-Afrika»
Weil die Silberrupien oft als Schmuck auf Schnüre gezogen wurden, gab die Kolonialverwaltung auch gelochte Münzen aus. Foto: Robert Kawka, Alamy

In den sechziger Jahren wurde John Yogelo, ein hochbetagter Mann, von einem Studenten der Universität Daressalam interviewt. Die Forschung im dekolonialen Staat – Tansania hatte soeben seine Unabhängigkeit errungen – galt dem grossen Aufstand gegen den deutschen Kolonialismus, dem Maji-Maji-Krieg von 1905 bis 1907. Der Zeitzeuge erinnerte sich lebhaft an die Gewalt, mit der die Deutschen um 1900 die Steuern eingetrieben hatten. Noch stärker aber war ihm das Problem im Gedächtnis geblieben, was denn als Steuern gezahlt werden sollte: zuerst Hirse, dann Ziegen und schliesslich Bargeld. Um an Geld zu kommen, mussten Männer aber weit entfernt auf Plantagen arbeiten, deren Aufseher für ihre Gewalt berüchtigt waren.

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