Informationskrieg: Die Kirsche auf der Torte
Der ehemalige Schweizer Geheimdienstler Jacques Baud wird wegen Desinformation von der EU sanktioniert. Der Fall ist ein Lehrstück, wie prorussische Propaganda heute funktioniert – und wie sich ihre Bekämpfung ins Gegenteil verkehren kann.
Der Mann ist unbestritten vom Fach. Gerade noch hat Jacques Baud im Schloss von Morges am Genfersee die Ausstellung «Top Secret» als Kurator gestaltet, über die Schweiz als Spionagedrehscheibe im Zweiten Weltkrieg. Mitte November wurde sie eröffnet, mit 500 Objekten, die er in seinem reichen Berufsleben gesammelt hatte, das ihn vom Schweizer Geheimdienst ins Aussendepartement, von der Uno bis zur Nato führte. Nur einen Monat nach der Eröffnung der Spionageschau geriet Baud selbst ins Visier. Am 15. Dezember liess ihn der Rat der EU sanktionieren, weil er angeblich destabilisierende Aktivitäten Russlands in Europa unterstütze. Baud wird damit die Reisefreiheit in der EU entzogen, seine Konten bei Banken im EU-Raum wurden eingefroren. Seither sitzt er in Brüssel fest, wo er wohnt.