Tunesien: Ohne Vision oder Strategie
Der tunesische Präsident Kais Saied kam mit dem Versprechen sozialer Gerechtigkeit an die Macht. Sechs Jahre später sind im Süden und Westen des Landes vielmehr politische Repression und wirtschaftliche Stagnation zu spüren.
Die notdürftig asphaltierten Seitenstrassen und sogar die Hauptstrassen sind an diesem Novembermorgen in Zarzis in Südtunesien nicht wiederzuerkennen. Nördlich des Zentrums der verschlafenen Küstenstadt kämpfen die mit Schlamm bedeckten Autos, um voranzukommen. Der Sturm der vergangenen Nacht hat seinen Tribut gefordert. Die Strassen sind übersät mit Schutt, Schlamm und Abfall, heruntergespült von den umliegenden Anhöhen. Die Hauptstrasse ist überflutet, teils unterspült und mit neuen Schlaglöchern gespickt. Starkregen ist hier selten, aber wenn es regnet, bricht die Verkehrsinfrastruktur regelrecht zusammen. Es wird Tage dauern, bis die bereits geschäftig aufräumenden Schaufelbagger die Strasse wieder einigermassen befahrbar gemacht haben; Wochen, bis die Behörden die Schlaglöcher provisorisch repariert haben.