Pakistan / Afghanistan: «Offener Krieg» am Hindukusch
Ende Februar ist der Konflikt zwischen den Nachbarländern eskaliert. Pakistan, einst Unterstützer der Taliban, bombardiert nun Kabul.
Erst habe er gedacht, er träume, erzählt ein Bewohner von Kabul, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung gedruckt wissen will. Doch dann sei ihm klar geworden, dass das Donnern der Kampfjets am Himmel real sei. «Es war mitten in der Nacht, gegen drei Uhr morgens, als eine Explosion plötzlich die Erde erbeben liess», sagt der Mann, der in der afghanischen Hauptstadt unweit des Darul-Aman-Palasts lebt, am Telefon.
In der Nacht zum 27. Februar bombardierte die pakistanische Luftwaffe zahlreiche Ziele auf afghanischem Boden, darunter Armeebasen und Munitionsdepots in Kabul. Bereits Tage zuvor hatte sich der Konflikt zwischen der Taliban-Regierung und Pakistan erneut zugespitzt: Die Taliban hatten pakistanische Grenzposten angegriffen, nachdem pakistanische Luftschläge Ziele in Afghanistan getroffen hatten. Seitdem kommt es regelmässig zu Angriffen der pakistanischen Luftwaffe und zu militärischen Auseinandersetzungen entlang der fast 2500 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Ländern.