Frag die WOZ : Warum Serafe-Gebühren pro Haushalt?

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«Warum bezahlen wir Serafe-Gebühren pro Haushalt und nicht pro Kopf?»

V. S., per Mail

Das ist eine sehr gute Frage! Theoretisch wären völlig andere Modelle denkbar: Man könnte die Gebühr beispielsweise an den tatsächlichen Konsum pro Kopf koppeln. Wir könnten alle ein Armband tragen, das registriert, welche Inhalte wir wie intensiv konsumieren – je höher die Herzfrequenz bei einem spannenden Beitrag, desto höher die Rechnung! Doch ist es kein Zufall, dass wir die Rundfunkabgabe nicht auf diese Weise abrechnen. Dass sie pro Haushalt und nicht pro Kopf erhoben wird, ist eine bewusste politische Entscheidung, die historisch gewachsen ist. 

Die Gebührenpflicht begann 1926 für Radioempfangsgeräte, später kamen Fernsehgeräte hinzu. Lange galt das Prinzip: Wer ein Gerät besitzt, zahlt. In unserer hochmedialisierten Gesellschaft tragen wir Empfangsgeräte ständig bei uns und sind über das Internet jederzeit empfangsbereit. Auch deshalb wurde die Abgabe 2019 auf das heutige, geräteunabhängige Haushaltsmodell umgestellt. Für dieses System sprechen zwei zentrale Hauptargumente.

Das erste ist die Effizienz, zumindest die relative: Ein Pro-Kopf-System wäre ein (noch grösseres) administratives Monster. Man müsste für jede volljährige Person einzeln prüfen, ob sie in Ausbildung ist, wo sie gerade wohnt oder wie oft sie umzieht. Bei rund neun Millionen Einwohner:innen, davon etwa sieben Millionen Erwachsene, stünden wir über sieben Millionen potenziellen Rechnungen gegenüber. Das aktuelle Modell ist im Vergleich schlanker.

Noch entscheidender ist jedoch das zweite Argument: der Service public als Kollektivgut. Er wird ähnlich verstanden wie ein Dorfbrunnen, der über Leitungen die gesamte Gemeinde speist. Man zahlt hier nicht für den individuellen Schluck Wasser, den man gerade trinkt, sondern für die Bereitstellung des Brunnens an sich. Ob am Ende der Leitung eine Person trinkt oder fünf, spielt für den Unterhalt der Leitungen keine Rolle. Der Haushalt gilt daher als eine logische Nutzungseinheit für den gemeinsamen «Anschluss».

Wir zahlen also nicht für den eigenen Durst, sondern für das grundsätzliche Vorhandensein der Quelle. Wer möchte und kann, kann sich zusätzlich privat noch ein Bier, einen Grüntee oder ein Elmer Citro kaufen – das bleibt allen selbst überlassen. Die Haushaltsabgabe stellt lediglich sicher, dass die Grundversorgung für alle konstant fliesst, ohne dass das Budget bereits für die komplizierte Erfassung jedes einzelnen Schlucks verbraucht wird.

Immer montags beantworten wir in der Rubrik «Frag die WOZ» jeweils eine wirklich (un)wichtige Leser:innenfrage. Noch Fragen? fragdiewoz@woz.ch!