In mir die Wände (12): Die Glut
Als Kinder erfahren wir als Erstes, was Nähe bedeutet. Wir lernen, dass sich Wärme nicht allein erzeugen lässt, sondern erst entsteht, wenn da jemand bleibt, dich jemand hält, sieht, hört, wenn jemand mit dir spricht.
In mir die Wände (11): Treibsand
An diesem Tag regnete es. Auf meinem Programm stand das Fussballspiel, das ich fein säuberlich vorbereitet hatte: Es spielte der FC Rheintal im Champions-League-Final gegen Inter Mailand.
In mir die Wände (10): Dazwischen
Flüchtlingskind. Fremd. Unterschicht. Kein Schweizer. Das Nichtdazugehören wird zu deinem Rückgrat, Balanceakt, Kartenhaus. Es ist kein Gefühl, das mal kommt und mal geht.
In mir die Wände (9): Von unten
Was macht unsere Identität aus? Vielleicht ist sie wie Holz – entstanden aus dem, was vor uns war. Aus Schichten, die sich verdichtet haben, aus den Bedingungen, in die wir hineingewachsen sind, aus dem Druck, der uns geformt hat.
In mir die Wände (8): Husten
Es riecht nach aggressivem Putzmittel. Hohe Decken, Holz und Stahl – wir sind klein in diesem Raum. Ich sitze auf dem Plastikstuhl, meine Beine baumeln in der Luft, erreichen den Boden kaum. Mama hat gesagt: Nicht bewegen. Still sein. Ein Formular vor Papa.
Frag die WOZ: Warum sind linke Genossenschaften bünzlig?
«Warum sind linke Genossenschaften so bünzlig?»D. M. per MailDas ist nicht nur eine sehr gute Frage, sondern auch eine rhetorisch-suggestive.
In mir die Wände (7): Das schönste Spiel
«Es läuft die 89. Spielminute, die Schweiz steht vor der ganz grossen Sensation! Abstoss bei Gnägi, Captain Bigoni lässt sich leicht zurückfallen, holt sich den Ball. Bigoni, Lapp, zurück zu Bigoni.
In mir die Wände (6): Kopfgeld
350, 200, 20, 400. Ich addiere, subtrahiere, wäge ab, zähle dazu, ohne Papier, nur in meinem Kopf: Essen. Kleider. Ausflug. Neuer Fussball. Ich kürze. Streiche. Rechne wieder. Wird es reichen? Wie werden wir reich? Werde ich reichen?
In mir die Wände (5): Unter Ratten
Ich schwimme im Dunkel eines Meeres. Über mir, in der Ferne, ist ein Licht. Es regnet heftig, ich höre das dumpfe Pulsieren der Tropfen, wie sie auf die Oberfläche trommeln. Ich strecke mich nach dem Licht, glaube, es fassen zu können.
