St.  Galler Abstimmungen: Grüne Wiesen betonieren

Nr. 9 –

Diesen Artikel hören (2:29)
-15
+15
-15
/
+15

Braucht es eine neue Gewerbezone am Rand der Kleinstadt Wil? Darüber stimmt der Kanton St. Gallen am 8. März ab. Die Fronten verlaufen quer durch die Parteien: Alle grossen befürworten «Wil West» – ausser SVP und Grüne. Die Wiler Sektion der SVP ist allerdings dafür, ebenso einige grüne Politiker:innen, die Basis beschloss aber ein deutliches Nein. Weil es um achtzehn Hektaren bestes Agrarland geht, sogenannte Fruchtfolgeflächen, gibt es auch in bäuerlichen Kreisen viel Kritik, der Bauernverband hat Stimmfreigabe beschlossen.

Die Grundstücke gehören dem Kanton St. Gallen, liegen aber auf Thurgauer Boden. Eine erste Version von «Wil West» scheiterte 2022 an der Urne. Damals wollte St. Gallen das Gebiet selbst erschliessen, nun möchte der Kanton dem Thurgau den Boden verkaufen, damit doch noch gebaut werden kann. Denn nur wenn gebaut wird, gibt es vom Bund einen neuen Autobahnanschluss. Was die Verkehrsplanung betreffe, könne nicht von einem nachhaltigen Projekt gesprochen werden, schreiben die Grünen. Auch der VCS lehnt «Wil West» klar ab. Die Befürworter:innen versprechen, mit dem Projekt werde die Zersiedelung gebremst. Doch ein Blick aus dem Intercity Winterthur–St. Gallen genügt, um zu erkennen, dass die Raumplanung in der Region bisher versagt hat. Solange das Verdichtungspotenzial in Wil nicht ausgeschöpft sei, könne man einer grossflächigen Einzonung von Kulturland nicht zustimmen, schreiben die Grünen.

Auch in der Region Rorschach reicht ein kurzer Augenschein, um festzustellen: Haushälterischer Umgang mit Boden geht anders. Trotzdem möchte der Kantonsrat hier einen weiteren Autobahnanschluss samt «Kantonsstrasse zum See». Auch darüber stimmt der Kanton ab. Und auch dafür würden fast sechzehn Hektaren Fruchtfolgeflächen geopfert. Das Ganze würde total über 330 Millionen Franken für nur 2,2 Kilometer Strasse kosten: 150 000 Franken pro Meter Strasse, ein Rekord für St. Gallen. Zu hoffen bleibt, dass die Bewohner:innen anderer Regionen dieses ziemlich verzettelten Kantons in den Projekten keinen Nutzen für sich sehen.