Nr. 36/2005 vom 08.09.2005

Gegen Klischees

Von Judith Huber

Klein, aber fein: Conrad Schetters Geschichte Afghanistans im Taschenbuchformat ist in jeder Hinsicht gelungen. Dem Autor, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn, gelingt es, die Komplexität der Geschichte Afghanistans auf das Wesentliche zu reduzieren und nicht in Klischees zu verfallen. Solche existieren zur Genüge: Die afghanische Gesellschaft wird oft als anarchisch und steinzeitlich dargestellt, als «Gegenpol der zivilisierten Welt». Exemplarisch dafür stehen die Taliban. Gleichzeitig romantisieren viele die AfghanInnen als «edle Wilde», die noch authentisch und unverdorben sind.

Schetter entwirft ein Gegenbild zu dieser Verachtung beziehungsweise Romantisierung des Landes. Er zeigt auf, wie der Gegensatz von Moderne und Tradition, von Stadt und Land die afghanische Geschichte bis heute prägt. Die weiteren Grundzüge der Geschichte sind laut Schetter der raue, abweisende Naturraum, der extreme Partikularismus, die kulturelle Heterogenität und die ständige Einmischung von aussen. Afghanistans Weg in den Frieden, so das Fazit des Autors, werde von vielen Rückschlägen begleitet sein und wohl eher Jahrzehnte als Jahre dauern.

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