Nr. 10/2006 vom 09.03.2006

Die Untergeherin

In den Churer Spitälern wurde die erste Chefärztin Graubündens weggemobbt. Ein Lehrstück in Sachen Männersolidarität und Rentabilitätsdenken.

Von Margrit Sprecher

Wie festlich glänzen die Spitäler im hellen Licht des Schnees. Wie blau spiegelt der Himmel in den Fenstern, wie weit schweift der Blick übers Rheintal. So viel Hoffnung, so viel Blick aufs Leben. Doch der Schein trügt. In den Arztzimmern wird subtil Stimmung erzeugt, hinter Schreibtischen offen gedroht. Hier schweigt man wissend, dort lacht man offen. Jetzt hat mans geschafft: Das Opfer liegt, die Raben steigen nieder. Die erste Chefärztin Graubündens muss gehen.

Wer nach Mobbingzeugen sucht, stösst auf betretenes Desinteresse. Der Fall ist ohnehin gelaufen, wer mag sich da noch exponieren. Der eine Arzt seufzt hörbar, um seine Ohnmacht zu bezeugen; der andere zieht sich, unter sprachlich aufwendigen Verrenkungen, von seiner erst allzu spontan gezeigten Solidarität zurück. Verständlich, nachdem er gefragt wurde: «Kannst du dir deine Haltung wirklich leisten?» Oder, so ein anderer: «Haben Sie sich schon überlegt, wie Ihre Karriere hier weitergeht?» Wer spricht, besteht auf strikter Anonymität. Selbst Mediziner, die nicht auf der Lohnliste der Bündner Spitäler stehen, steigern sich in Verschwörungsfantasien. Sie fürchten um ihre Tarmed-Punkte oder einen Zuweisungsstopp von KantonsspitalpatientInnen. «Die haben es», murmelt einer unheilschwanger, «in der Hand, meine Praxis abzuwürgen.»

Auch das Opfer mag nicht sprechen. Was immer sie sagt - es wird gegen sie verwendet. So sitzt sie, klein und wendig wie sie ist, auf ihrem Stuhl, als wärs ein Trampolin, und behält die Arme fest verschränkt, als müsste sie sich zum Dableiben zwingen. Alles, was sie zum Kündigungsgrund «zerrüttete Verhältnisse» beifügen möchte, ist: «Ich weiss bis heute nicht, mit wem ich ein zerrüttetes Verhältnis habe und warum.»

Die zerrütteten Verhältnisse begannen, wie häufig, mit heissem Liebeswerben. Nichts hatte Walter Reinhart, Chefarzt am Kantonspital Chur, unversucht gelassen, um Corina Canova vom Unispital Zürich nach Chur zu locken und sie zu seiner Oberärztin zu machen. Eine gute Wahl - sie ergänzte ihn auf ideale Weise: Sie macht selbst nachts um zehn noch Patientenbesuche, sie verschiebt ihre Ferien Jahr für Jahr, um für ihre PatientInnen da zu sein. «Im Nu schmiss sie den ganzen Laden», erinnert sich ein Kollege an ihre ersten Jahre im Kantonsspital.

Die andern Ärzte sahen so viel Fleiss und Einsatz nicht gern; das war man in diesem Spital nicht gewohnt. Dazu kam, dass Corina Canova Fehler nicht Fehler sein lassen kann, sondern jedem Irrtum auf den Grund gehen muss - egal ob es sich um eigenes oder fremdes Versagen handelt. «Sie deckte Sachen auf und sprach sie an», sagt ein Arzt, der inzwischen am Zürichsee arbeitet. «Und meistens hatte sie Recht.» Die Kollegen rächten sich. «Machte sie in einer Sitzung einen Vorschlag, wurde er regelmässig abgeschmettert.» Corina Canova lernte, ihre Ideen von Chefarzt Reinhart vortragen zu lassen.

Nach ihrer Weiterbildung in Zürich und Seattle zur Angiologin zog ihr Ruf als Gefässspezialistin bald PrivatpatientInnen von überall her nach Graubünden - die am meisten umhätschelte Klientel im Gesundheitswesen. Der Missmut ihrer Kollegen verschärfte sich. «Es ging nicht um Mann oder Frau», sagt ein Arzt. «Es ging um Neid und Eifersucht. Sie war einfach besser als alle andern. Auch als Mann hätte sie es schwer gehabt.» Sitzungen wurden hinter ihrem Rücken abgehalten, die Vorwürfe häuften sich: «Sogar in den Ferien behandelst du Patienten! Und schreibst mitten in der Nacht E-Mails!» Weil es die Chefs scheinbar gern sahen, dass man über sie lachte, lachten selbst die Assistenten mit. «Das ergab stets eine gewisse aufgekratzte Stimmung - wie am Lagerfeuer.»

Chefarzt Reinharts gönnerhafter Ton verwandelte sich in distanziertes Gewährenlassen. Er gilt in Fachkreisen als eher farblose Figur, dessen Spezialgebiet, die Strömungslehre, «nur ein kleines Clübchen interessiert». Wer seinen Namen googelt, findet, abgesehen von seiner Untersuchung über das Dauerhicksen, kaum eine Eintragung von Bedeutung. Auch im Spitalalltag bleibt er, wortwörtlich, unscheinbar: Sogar PrivatpatientInnen warten vergeblich auf sein Erscheinen. Umso imposanter fällt der Auftritt seines Stellvertreters, Thomas Wielands, aus. «Ein Eins-neunzig-Mann», sagt eine ehemalige Patientin, «der zur Tür hereinrauscht, einen flüchtigen Blick auf den Kranken wirft und ausschliesslich mit seinem Gefolge spricht.»

Als sich Corina Canova im Jahr 2000 um den frei gewordenen Chefarztposten am Kreuzspital Chur bewarb, reagierten die Kollegen gereizt. Erst wollte man ihr eine Bewerbung im Doppelpack aufschwatzen: Ein Mann als Chef, die Frau, still und emsig, an seiner Seite. Für sie ein Affront. Darauf streute man wohlkalkulierte Gerüchte. «Man sagte uns», erinnert sich ein Mitglied der Wahlbehörde, «dass Corina Canova eine unbequeme Frau sei, eine nichtteamfähige Besserwisserin, die über keinerlei Führungs- und Vorbildqualitäten verfüge.» Das Manöver missglückte. 2001 wurde Corina Canova «ihrer fachlichen und menschlichen Qualitäten» wegen einstimmig zur ersten Chefärztin Graubündens gewählt - und dies in einem Kanton, wo Spitalärztinnen so rar sind wie Palästinenser in Israels Kabinett.

Corina Canovas erste Wochen am Kreuzspital gerieten zum Albtraum. Ihr Büro musste sie selbst suchen; niemand stellte sie dem Personal vor. Auf ihrem Handy tobte der SMS-Terror mit sinnlosen, lächerlichen und beleidigenden Botschaften. Protokolle wurden ihr vorenthalten, Informationen nicht weitergegeben. Heute rechtfertigt ein Arzt sein damaliges Tun: «Man hat uns gesagt, sie gehe über Leichen.»

Corina Canova tat, was sie immer getan hat: Sie kümmerte sich um ihre PatientInnen. Der Rest würde sich geben. Und er ergab sich. Der St. Moritzer Arzt Andri Schläpfer, 2002 ihr Assistent, erinnert sich: «Als Ärztin und als Lehrerin war sie genial. Sie hat zwar unheimlich viel von uns gefordert. Aber nirgendwo habe ich mehr gelernt. Und immer hat sie offen ihre Meinung gesagt.»

Um auch andere zur offenen Meinung und zum aufrechten Gang zu ermuntern, führte Corina Canova eine so genannte «Kropfleerete» ein. Denn die Spitalhierarchie, so hatte sie gelernt, richtet früh zum Schweigen und Kuschen ab. Die meisten MitarbeiterInnen wussten die Gelegenheit kaum zu nutzen. «Bei den ersten Aussprachen war es völlig ruhig», sagt Andri Schläpfer. «Frau Dr. Canova war die Einzige, die sich beklagte - über sich selbst!»

Statt wie die Männer Koalitionen zu schmieden und solide Seilschaften zu bilden, setzte Corina Canova auf noch mehr Leistung. Statt wie die Männer ihre Sitzungen ins Gourmetlokal zu verlegen, wo sich bei einem Glas Wein vieles wie von selbst regelt, fand sie Sandwiches und Mineralwasser im Büro praktischer. Für Golf in Domat-Ems hatte sie ebenso wenig Zeit wie für Smalltalk und Schulterklopfen im Rotary Club. Und während Chefarzt Reinhart am letzten Bad Ragazer Grand-Hotel-Neujahrsball mit seinem obersten Boss, dem Bündner Sanitätsdepartementsvorsteher Martin Schmid, am gleichen Tisch kuschelte, machte sie Nachtdienst.

Ebenso wenig wie die Intrigen wollte sie die Rolle wahrhaben, die man ihr bei der Zusammenlegung der Churer Spitäler zugedacht hatte: ihre Kreuzspitalcrew dazu bringen, sich willig vom Kantonsspital schlucken zu lassen. Corina Canova funktionierte wie vorausgesehen: geradlinig. Einmal zur Überzeugung gelangt, dass sich niemand zwei voll ausgerüstete Spitäler in einem Kilometer Entfernung leisten kann, warb sie kompromisslos für die Fusion. Dass sie beim gekündigten Personal zur Buhfrau wurde, war ein willkommener Nebeneffekt.

Um ihren Goodwill beim Absägen des eigenen Astes zu sichern, hatte man ihr einen Platz im Dreierführungsgremium der Inneren Medizin im Kantonsspital versprochen. Als es so weit war, wollte niemand mehr etwas davon wissen. Wie unwichtig sie geworden war, erlebten die Beteiligten an den Arbeitssitzungen: «Wenn sie etwas sagte, wurde sie entweder überhört, belächelt oder zusammengestaucht.» Stimmte sie als Einzige gegen einen Vorschlag, stand im Protokoll: «Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen.» Wies sie auf den Erfolg ihrer Angiologie hin, wurde sie mit den Worten «Wieder typisch kompetitiv!» abgekanzelt. Ihr Vorschlag, in der für sie unbelasteten Abteilung Chirurgie im Kantonsspital ein Gefässzentrum einzurichten, eine kleine, feine Behandlungsoase mit Leuten, die ihren Qualitätsansprüchen in menschlicher und fachlicher Hinsicht entsprachen und denen sie als Chefärztin Angiologie vorstand, wurde als «Klinik in der Klinik» abgetan. «Womöglich mit eigenem Notfall- und Putzdienst», höhnte die Verwaltung. Dafür bot man ihr immer wieder neue Verträge in der Inneren Medizin an, die sie ihren ärgsten Widersachern unterstellen würden. Als sie, wider Erwarten, trotzdem ein Schriftstück unterschrieb, wurde es vom Verwaltungsratspräsidenten Immler aus spitzfindig-juristischen Gründen für ungültig erklärt.

Es war längst zu spät, als sie im Sommer 2005 endlich Hilfe von aussen suchte. Ihr Wunsch nach einer Mediation sei mit den Worten quittiert worden: «Wenn an diesem Tisch jemand einen Psychiater braucht, dann bist du es!» Das Zürcher Institut für Angewandte Psychologie lieferte zwar Vorschläge für ein reibungsloseres Zusammenarbeiten, umgesetzt wurden keine. Als sie ihre Nöte dem Regierungsrat schilderte, destillierten ihre Gegner daraus prompt den bisher vergeblich gesuchten Kündigungsgrund: zerrüttete Verhältnisse. Wer den eigenen Betrieb nach aussen mies macht, verdient kein Vertrauen mehr.

Die für die Kündigung verantwortlichen Herren wollten sich nur im Dreierpack interviewen lassen. Sie traten auf als eine Männergemeinschaft, die unter schwierigsten Bedingungen etwas Grosses, die Fusionierung von Churs Spitälern, geschaffen hat und jetzt auf wohlverdientes Lob hoffen darf. Da ist ein versteifter Chefarzt Reinhart, der seine langen Glieder kunstvoll zusammenklappt und an seine Verantwortung für vier Stockwerke erinnert. Da ist Spitaldirektor Arnold Bachmann, Exmanager der Ems Chemie, der in langen, salbungsvollen Sätzen und weit schwingenden Gesprächskreisen spricht und jeden Satz mit geometrischen Zeichnungen an der Wandtafel untermalt. Und da ist Ulrich Immler, Verwaltungsratspräsident der neuen Spitäler Chur AG, Ex-CEO der Graubündner Kantonalbank und, wie das Bündner Frauenplenum in seiner Pressemitteilung schrieb, mit einem «befremdlichen» Verhältnis zu Frauen (vgl. Kasten auf Seite 19). Vielleicht ist dieser Ruf der Grund dafür, dass er sich um einen möglichst schlichten, jovialen Ton bemüht, von dem er annimmt, dass ihn Frauen auch verstehen.

Mit niemandem, betonen die Herren, hätten sie bei der Zusammenlegung der Churer Spitäler zur Spitäler Chur AG so viele Gespräche geführt wie mit Corina Canova. Immer wieder hatten sie ihren Forderungen nachgegeben. Immer blieb ihre Haltung dieselbe: Entweder ich kriege, was ich will, oder ich gehe. Mal war es der Titel, der ihr nicht passte, mal der Arbeitsplatz. «Sie ist ein Einzelfall», betont Immler. «Denken Sie an den Ruf des Kantonsspitals», mahnt Reinhart. «Die permanente Nichtakzeptanz von Entscheiden des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung durch Frau Dr. Canova ist tragisch», klagt Bachmann.

Anschliessend deckten die Herren Ende Januar dieses Jahres in einem flächendeckenden Massenabwurf die Bündner Ärzte, 120 Grossräte und weitere interessierte Stellen mit einer siebenseitigen Rechtfertigung ihrer Kündigung ein. Selbst ihnen Wohlgesinnte fragen sich seither: Was hat das Kantonsspital zu vertuschen?

Natürlich passt so viel Sperrigkeit nicht ins moderne Gesundheitswesen; heutzutage sind stromlinienförmigere ÄrztInnen gefragt, die sich widerspruchslos Neuerungen fügen. Natürlich stellen unsere Spitäler statt der Menschen längst das Kosten-Nutzen-Denken in den Mittelpunkt. Und tatsächlich hat die Spitäler Chur AG Erfolg: Ihre Zahlen übersteigen alle Erwartungen. Obwohl das Kantonsspital jährlich zwanzig Prozent mehr stationäre PatientInnen aufnimmt, konnten die Ausgaben um 4,5 Millionen Franken gesenkt werden. Dieses Bilanzwunder bewirkte ein Verwaltungsrat, in dem, abgesehen vom Feigenblatt eines pensionierten Landarztes, lauter Juristen und Wirtschaftsfachleute sitzen, präsidiert von Exbanker Immler. Der Vorsitzende Immler präsidiert - oh glückliche Fügung - auch gleich den Stiftungsrat. Letzteren stockte man, um das zaghafte Mitbestimmungsgequengel der Bündnerinnen zu stoppen, mit ein paar Frauen auf. Dank sorgfältiger Auswahl sind keinerlei moralisierend-weibliche Störmanöver zu befürchten. Etliche der Frauen kennt man in der Öffentlichkeit kaum, und brav werden sie ihr Händchen heben, wenn der grosse Vorsitzende seine Vorschläge zu noch grösserer Rentabilität macht.

Ebenso wenig Widerspruch ist von der durchweg männlichen Geschäftsleitung zu erwarten. Sechs der acht Mitglieder sind Chefärzte, deren Wohl und Wehe von ihrem CEO Arnold Bachmann abhängt. Angesichts von Ärzteschwemme und Fusionsturbulenzen werden sie sich hüten, durch besondere Aufmüpfigkeit aufzufallen. Praktisch einstimmig nahmen sie die vom Verwaltungsrat gewollte Kündigung der Corina Canova an.

Bereits zeitigt das neue wirtschaftliche Denken in den Churer Spitälern Ergebnisse. Am Telefon verschwieg man dem Ehemann die rapide Verschlechterung seiner todkranken Frau - er könnte weitere kostspielige Behandlungsmassnahmen verlangen. Den plötzlich besorgniserregenden Zustand eines Patienten am Tag der geplanten Entlassung erklärte man seinen Angehörigen mit einem: «Das ist nur die Freude darüber, dass er nach Hause darf!» Um seinen Ruf muss sich das Kantonsspital nicht sorgen. Die Bündner und Bündnerinnen haben keine Klinikalternative mehr.

Über so viel Kosten-Nutzen-Denken scheint sich einzig Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf Sorgen zu machen. «Ein Spital kann nicht wie eine Bank oder eine Versicherung vorwiegend nach betriebs- und volkswirtschaftlichen Kriterien geführt werden. Im Spital zählen auch optimale medizinische Versorgung und menschliche Werte.» Die einzige Frau in der Bündner Regierung ist auch das einzige Regierungsmitglied, das sich für Chefärztin Canova einsetzt. Nicht etwa aus weiblicher Solidarität, sondern «weil Frau Dr. Canova enorm kompetent ist. Sicher gilt sie als eine fordernde Person. Aber wer so klar sagt, was er will, ist auch berechenbar.»

Die medizinische Leitung des Kreuzspitals musste Corina Canova schon bei der Kündigung Ende letzten Jahres abgeben. Andernorts braucht es für Sofortmassnahmen dieser Art eine grobfahrlässige Tötung oder den allzu kräftigen Griff in die Spesenkasse. «Wir konnten kein Risiko eingehen», erklärt Spitaldirektor Bachmann düster. «Da sie sich unserem Konzept nicht beugt, verweigert sie möglicherweise einem Patienten in Not die Hilfe ...» Ihre Angiologiepraxis im Spital darf sie noch bis zum 31. Mai 2006 betreiben.

Heute kommen ihr in der Eingangshalle immer wieder weinende PatientInnen entgegen. Wird sie in der Stadt beim Einkaufen erkannt, belagern sie Fremde wie einen Popstar. Die Präsidentin des Bündner Frauenplenums (vgl. Kasten) Marion Theus forderte eine Untersuchung. Grossrätin Nicoletta Toi-Togni schrieb in einem offenen Brief: «Unverständlich, dass in diesem Kanton, wo es kaum Frauen in Spitzenpositionen gibt, eine hoch qualifizierte Bündnerin ihren Platz räumen soll.» Der Hausarztverein liess das Sanitätsdepartement wissen: «Wir sehen der Entwicklung mit grosser Sorge entgegen und bangen um die Zukunft der Angiologie in Graubünden.» Ein Dutzend Mitarbeiter aus dem Kreuzspital veröffentlichten unter dem Luther-Wort «Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht»: «Frau Dr. Canova ist es gelungen, aus der Medizin im Kreuzspital eine Abteilung von hoher Qualität und Menschlichkeit zu machen. Ihre Ausstrahlung, ihre Wärme und ihre Persönlichkeit haben die Mitarbeitenden auf allen Stufen beeindruckt und beeinflusst.» Die Briefe an das Sanitätsdepartement und die Spitalverwaltung wurden entweder gar nicht oder mit nichtssagenden Worten beantwortet.

Corina Canovas Anwältin Karin Caviezel reichte beim Bündner Verwaltungsgericht Klage wegen ungerechtfertigter Kündigung und Mobbing ein. Das - noch neue - Gesetz versteht unter Mobbing wiederholte Feindseligkeiten, Respektlosigkeit und schweren psychischen Terror über einen längeren Zeitraum. Der Cocktail scheint zu wirken. Corina Canovas Nerven sind dünn geworden. Mal wird sie zu laut, statt wie früher Rücksicht auf die Midlifecrisis eines Kollegen zu nehmen. Mal packt sie einen ihr unterstellten Arzt am Arm, wenn er allzu dreist in Sachen Überstunden schwindelt. Ihre Gegner, auf jede Art von Munition erpicht, notieren es gern. Chefarzt Reinhart fand Zeit, sich bei ihrer Assistentin persönlich zu erkundigen, wie handgreiflich die Chefin denn geworden war.

In der Öffentlichkeit ist das Interesse bereits abgeflaut. Regierungsrätin Eveline Widmer liess man wissen, sie solle endlich Ruhe geben. Auch die - fast ausschliesslich männliche - Redaktion des Quasimonopolblattes «Südostschweiz» hat das Thema abgehakt. Die guten Freunde, die sich von Corina Canova abkehrten, machten ihren Frieden mit ihrem Gewissen und versuchen, sich im neuen Sternbild zu behaupten. Wie heisst es doch in den Verkehrsmeldungen? «Die Unfallstelle ist geräumt. Mit weiteren Behinderungen ist nicht mehr zu rechnen.»

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