Nr. 21/2010 vom 27.05.2010

Papi Kuno?

Interview: Esther Banz

WOZ: Sie sind jetzt 49 Jahre alt und kinderlos. Wollten Sie nie eine Familie gründen?
Kuno Lauener: Ach, das sind lange Geschichten. Aber ich kann ja immer noch Vater werden – obwohl ich mit bald fünfzig bereits etwas alt dafür bin.

Sie wären nicht der einzige, späte Elternschaft ist gang und gäbe.
Und meine Freundin ist erst Mitte dreissig. Es wäre also durchaus möglich. Stabil ist unsere Beziehung auch, wir sind schon seit zwölf Jahren zusammen.

Aber?
Wenn du älter wirst und deine Eltern alt werden, richtig alt, dann machst du dir plötzlich Gedanken, die du zuvor leichtfertig beiseite geschoben hast.

Gedanken welcher Art?
Über die Vergänglichkeit zum Beispiel. Gleichzeitig weiss ich, dass ich viel Zeit für mich brauche, für die kreative Arbeit. Diese Zeit muss ich mir nehmen können.

Haben Sie Angst, dass sich Kind und Kreativität in die Quere kommen?
Eigentlich nicht. Bis jetzt habe ich dieses Kinderthema einfach immer hinausgeschoben. Aber ich denke schon, dass es einen sehr einnimmt, wenn so ein Kind da ist, dass man Fan wird von seinen eigenen Göfis. Das habe ich oft gesehen, auch bei Freunden – und finds schön … Ach, ich weiss doch auch nicht.

Nicht wenige Frauen im Land haben sich gewünscht, sie wären dereinst die Mutter von Kunos Kindern.
Das ist doch ein Mythos!

Keineswegs. Wie ist das eigentlich, wenn man so begehrt ist, wird man mit der Zeit nicht etwas arrogant ?
Ich strahle ja nicht so etwas Kumpelhaftes aus, die Leute begegnen mir mit Respekt.

Steht dieser Respekt manchmal im Weg?
Es gibt Leute, die fast übereifrig alles lustig finden, was ich sage. Andere wiederum halten sich extra zurück. Und dann gibts auch Leute, die sonderbar scheu sind. Es passiert mir manchmal, dass ich alleine an einem Tisch sitze, und es setzt sich einfach kein Mensch dazu, auch wenn das die letzten freien Plätze sind. Solche Dinge sind schon komisch.

Wird diese Bekanntheit nicht irgendwann lästig?
Ich habe gute und schlechte Tage. An schlechten bleibe ich eben zuhause. Ich bin gerne zuhause. Was ich aber schade finde, ist, dass ich nicht mehr so beobachten kann. Wenn du Songs schreibst, musst du ja zuhören können, aufmerksam sein. Ich habe das früher oft und gern gemacht. Dass das jetzt nicht mehr so einfach geht, nervt ein bisschen. Denn es betrifft ganz direkt die Kreativität. Aber ich will mich nicht beklagen, ich geniesse ja auch Privilegien, werde oft an Filmpremieren und andere Anlässe eingeladen, weil mein Name auf irgendwelchen VIP-Listen steht.

Und sicher kriegen Sie viele Komplimente von interessanten Frauen.
Klar lässt einen das nicht kalt. Es gab so eine Zeit, als es eine richtige Hysterie um uns gab, und genau da war ich in keiner festen Beziehung, hatte viele Freundinnen. Da wusste ich aber auch: Es geht den Frauen um den Züri-West-Lauener.

Haben Sie diese Zeit genossen?
Schon. Das habe ich je nach Lebensumständen und Bedürfnissen und je nachdem, wie primitiv ich drauf war oder wie viel ich gesoffen hatte, voll ausgelebt. Wie es manchmal so ist, wenn man unterwegs ist und weit weg von zu Hause …

Bei einer Schweizer Tournee hält sich das «weit weg» allerdings in Grenzen.
Genau. Es gab also viele Gründe, nicht zum arroganten Tubel zu werden. Und inzwischen bin ich überhaupt nicht mehr so drauf.

Heute sind Sie quasi der Kopf eines kleinen Unternehmens, Ihre Kollegen und Angestellten sind zu einem gewissen Grad von Ihrer Kreativität abhängig.
Ja, von meinen beziehungsweise unseren Ideen leben zehn bis zwölf Leute. Von daher spüre ich schon ein KMU-mässiges Drückli, wenn ich vor dem leeren Blatt sitze. Manchmal ist es auch ein Riesendruck.

Und die guten Jahre des Musikgeschäfts sind vorbei. Spüren Züri West das auch?
Die Plattenverkäufe nehmen ab. Aber wir haben das Glück, dass unser Publikum immer noch CDs kauft. Und dann sind da noch die Konzerteinnahmen, die mittlerweile den grösseren Teil ausmachen.

Also können wir Züri West zum Schluss frohgemut viel Erfolg wünschen und Ihnen ein Leben in Saus und Braus?
Ich lebe nicht in Saus und Braus! Aber ich muss schon nicht mehr so dünn durch wie früher. Ich kann machen, worauf ich Lust habe: CDs kaufen und guten Wein trinken zum Beispiel. Oder in die Ferien fahren, wie jetzt. Eine Woche mit meiner Freundin nach Italien und Frankreich. Darauf freue ich mich sehr.

Kuno Lauener (49) ist Kopf und Stimme der Berner Band Züri West. Nachtrag 2014: Lauener ist mittlerweile Vater einer Tochter und eines Sohns.

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