Nr. 02/2012 vom 12.01.2012

Ohne Gigi Oeri hätte es aber nicht funktioniert?

Bernhard Heusler, der frisch gewählte Präsident des FC Basel, über Jahreskarten, Leistungsdruck, Vorbilder und das bevorstehende Duell gegen den FC Bayern München.

Von Carlos Hanimann, Etrit Hasler (Interview) und Friedel Ammann (Foto)

Bernhard Heusler: «Wir sind kein Werksklub, auch wenn wir zuweilen in der Restschweiz liebevoll als ‹Chemie-Affen› bezeichnet werden.»

WOZ: Herr Heusler, letzte Woche haben wir über die Modernisierung des Fussballs gesprochen. Sie selber bezeichnen den FC Basel als KMU. Ist das auch ein Ausdruck dieser Modernisierung?
Bernhard Heusler: Ja. Ein Fussballklub ist nicht nur ein Verein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Allerdings steht nicht die Gewinnmaximierung im Mittelpunkt. Alles dreht sich um das Fussballspiel … und das Spiel gehört niemandem, nur sich selbst. Im kommerzialisierten Profifussball geht dies viel zu oft vergessen, was die wachsende Intoleranz gegenüber der faszinierenden Unberechenbarkeit des Spiels erklärt.

Ohne Gigi Oeri, die immer wieder Geld in 
den Verein investierte, hätte es aber nicht funktioniert …
Frau Oeri hat nie «investiert». Sie hat dem Klub die nötige finanzielle Sicherheit gegeben, indem sie über mehr als ein Jahrzehnt Defizitdeckung bis zu einem gewissen Betrag zugesagt hatte. Sie hat nie einen «Return» erwartet und auch nicht öffentlichkeitswirksam Knallertransfers finanziert. Fakt ist, dass unser Basisbudget von rund 35 Millionen Franken zu über siebzig Prozent durch unsere Zuschauer mit Jahreskarten gedeckt wird. Wir sind also kein Werksklub, auch wenn wir zuweilen in der Restschweiz liebevoll als «Chemie-Affen» bezeichnet werden. Aber da wir hohe Ambitionen verfolgen, sind wir für ein ausgeglichenes Ergebnis vom sportlichen Erfolg abhängig.

Ist das den Spielern bewusst, wenn sie zum Beispiel zu einem Penalty ansetzen, der zehn Millionen wert sein kann?
Das müssen die Spieler beantworten. Aber sicher ist es so, dass Sportler eine unglaubliche mentale Stärke brauchen. Da ist es wichtig, dass Spieler, die Verantwortung übernehmen, spüren, dass der Klub hinter ihnen steht und nicht auch noch Druck auf sie ausübt. Ich muss den Spielern nicht sagen: Das Spiel gegen den FC Zürich ist ganz wichtig, meine Herren! Das wissen die doch.

Sie sprechen oft mit Bewunderung von Ihren Spielern.
Ja, mit Respekt vor ihrer Leistung. Ich bewundere grundsätzlich Leute, die Aussergewöhnliches leisten.

Auch ausserhalb der Fussballwelt?
Ich finde es bewundernswert, wenn jemand seine Talente nutzt und das Beste daraus macht. Es ist der Mix aus Fleiss, Talent und mentaler Stärke, der mich fasziniert.

Haben Sie selber Fussball gespielt?
Ich war in Binningen Junior bis etwa fünfzehn. Erst als Student habe ich wieder bei einer Amateurmannschaft gespielt, kam dann aber schnell zum Langstreckenlauf.

Langstreckenlauf?
Unser ungarischer Trainer liess uns nach dem Training jeweils ein paar Runden rennen. Den meisten stank das, mir gefiel es aber. So bin ich dann aufs Laufen umgestiegen.

Haben Sie das professionell betrieben?
Nein, aber relativ ehrgeizig, was zu einem inoffiziellen Meistertitel an einem Teammarathon gereicht hat.

Und wie kamen Sie zum FCB?
Meinen ersten Vortrag in der Schule, mit neun Jahren, hielt ich über die Gründungsgeschichte des FC Basel. Der FCB war in meinem Privatleben immer präsent. Beruflich zu tun mit dem Verein hatte ich aber erst ab 2003. Der FCB erhielt damals Hakan Yakin von Paris Saint-Germain zurück, und man wollte rechtlich keine Fehler machen.

Was heisst das?
Im Stil von «zwar gekauft, aber nun doch nicht gewollt» haben die Franzosen den Transfervertrag rückgängig gemacht. Der FCB fragte angeblich mehrere Anwälte an, wie sie sich des Falls annehmen würden, unter anderem auch mich. Ich bekam den Fall und später den Bescheid, dass man gerne mit mir weiterarbeiten würde. Danach war ich Rechtsberater des Vorstands, bis ich 2005 in den Vorstand gewählt wurde.

Heute geht die Bedeutung des FC Basel weit über die Region hinaus. Manche sprechen gar von der inoffiziellen Nationalmannschaft …
Vom «Hassklub» zu «Everybody’s Darling» in der Schweiz nur wegen ein, zwei Siegen in der Champions League? Nein! Auf einen so schnellen Meinungswandel bilde ich mir nichts ein. Die so schnell Bekehrten wenden sich wieder beim nächsten Lüftchen ab. Viel wichtiger ist, wenn wir ausserhalb Basels – unabhängig vom Erfolg – als Klub wahrgenommen werden, der nicht arrogant und einfältig auftritt und geführt wird.

Trotzdem: Was gäbe es Schöneres für die Schweizer Fussballseele, als in der Champions League im Februar gegen Bayern München zu gewinnen …
Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien wäre für die Schweizer Fussballseele noch schöner und vor allem wichtiger. Für uns in Basel aber wäre ein weiterer Sensationssieg grandios. Der Mannschaft ist viel zuzutrauen.

Sie halten den Sieg also für möglich?
Ja, sicher. Das K.-o.-System ist nie ein Nachteil für den Aussenseiter – dafür haben die Bayern genügend andere Vorteile!

Der Wirtschaftsanwalt Bernhard Heusler (48) 
ist seit Anfang des Jahres Präsident des FC Basel.

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