Nr. 03/2012 vom 19.01.2012

Absurde Bausparabstimmungen

Von Hanspeter Guggenbühl

2012 soll zum «Jahr des Bausparens» werden. Das wünschen sich die Schweizerische Gesellschaft zur Förderung des Bausparens (SGFB) und der Hauseigentümerverband (HEV): Ihre beiden Initiativen, über die das Volk im März beziehungsweise im Juni abstimmen wird, verlangen Steuerfreiheit für jene jährlich 30 000 Einkommens- und Vermögensfranken, die Ehepaare zum Erwerb von Wohneigentum auf die hohe Kante legen – respektive legen können. Es geht also nicht ums Bausparen im Sinn von sparsamerem Bauen oder ersparten Bauten, was im Interesse von Land und Landschaft höchst willkommen wäre, sondern ums Steuersparen.

Besonders originell ist die Begründung, mit der HEV-Präsident Rudolf Steiner den Abstimmungskampf eröffnete: «62 Prozent der Mieter würden lieber in den eigenen Wänden wohnen.» Dieses Argument lässt sich beliebig erweitern: 70 Prozent aller BesitzerInnen von Einfamilienhäusern hätten gerne doppelt so viel Umschwung, 80 Prozent wünschen sich einen Swimmingpool. Oder: 90 Prozent aller Menschen in der Schweiz wären gerne MillionärInnen.

Darum drängt sich eine «Initiative zum Millionärsparen» geradezu auf, etwa mit folgendem Verfassungstext: «Personen in der Schweiz, die weniger als 999 000 Franken besitzen, dürfen jährlich 15 000 Franken von ihren steuerbaren Einkünften abziehen, sofern sie dieses Geld in den nächsten zehn Jahren mit dem Zweck sparen, ihr Vermögen auf mehr als eine Million Franken zu erhöhen. Für Ehepaare verdoppelt sich dieser Steuerabzug auf 30 000 Franken pro Jahr.» Denkbar wäre auch ein Steuerabzug von jährlich 300 000  Franken für jene 95 Prozent aller MillionärInnen, die sich zu MultimillionärInnen hinaufsparen möchten.

«Vom Bausparen profitiert der Mittelstand», argumentiert der Hauseigentümerverband. Auch diese Behauptung lässt sich auf unsere Initiativen zum Millionär- und Multimillionärsparen übertragen, frei nach dem Motto: Mittelstand ist, wenn der Stand der Mittel steigt. Und der Zweck? Den braucht es nicht, denn mehr finanzielle Mittel sind heilig.

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