Nr. 25/2012 vom 21.06.2012

Ein Bankenknatsch, immerhin

Von Stefan Howald

Für die Schweizer Wirtschaftsszene ist es ein veritabler Knatsch, da die Nationalbank der Credit Suisse an den Karren gefahren ist. Sogar das ehemalige CS-Geschäftsleitungsmitglied Hans Geiger rät der Bank, sie solle die Klappe halten. «Wer sich heute mit der Nationalbank anlegt, hat den Verstand verloren», sagte der emeritierte SVP-Professor.

Inhaltlich ist der Vorwurf der Unterkapitalisierung, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhebt, nichts Neues. Die Möglichkeit, die Eigenkapitalquote auf sogenannte risikogewichtete Aktiven zu berechnen, war immer eine gefährliche Mogelpackung, weil die Banken das Risiko selbst gewichten können. Darauf ist in der WOZ mehrfach hingewiesen worden. Bei der viel wichtigeren Leverage Ratio, der Quote des Eigenkapitals in Bezug auf die gesamte Bilanzsumme, lagen und liegen CS und UBS international weiterhin im Hintertreffen. Auch die Reaktion der CS ist nichts Neues. CS-Chef Brady Dougan hält hartnäckig an der Vernebelung mit dubiosen Kapitalinstrumenten fest, die angeblich die Sicherheit der Bank erhöhen sollen. Und er zeigt sich ebenso «erstaunt» wie «enttäuscht» von der SNB. Tja, für die Banken ist solche Kritik bereits wieder ungewohnt.

Das Parlament hat es letzten Herbst abgelehnt, schärfere Vorschriften durchzusetzen. Bahnt sich mit dem jetzigen Scharmützel ein Wechsel an? Wohl kaum. Einige KritikerInnen sorgen sich bloss um die AktionärInnen und ihre Dividenden. Deshalb wurden viele CS-Aktien verkauft und haben den Kurs gedrückt. Solche Sorgen kann man den kannibalischen Tendenzen des Markts überlassen.

Bemerkenswert scheint immerhin, dass die bisherige Arbeitsteilung zwischen Nationalbank und Finanzmarktaufsicht aufgebrochen worden ist. Bislang war Letztere für die Kontrolle und entsprechende Rügen an die Banken zuständig, trat dabei aber zaghaft und nachsichtig auf. Da ist es doch schon mal erfreulich, dass die Nationalbank sich mutiger verlauten lässt und sich nicht auf eine reine Geldpolitik gegen den Euro beschränkt.

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