Nr. 34/2012 vom 23.08.2012

Was machen Sie mit den vielen Anfragen?

Eigentlich ist José B. Maluenda pensioniert. Nun aber wird für ihn und seine KollegInnen aus der ehrenamtlichen Tätigkeit ein hartes Stück tägliche Arbeit. Ein Abend im Centro Social de Mayores Esperanza in Zürich.

Von Adrian RiklinMail an AutorIn (Interview) und Ursula Häne (Foto)

Zu heiss zum Turnen: José B. Maluenda inmitten von Señoras im Esperanza-Vereinslokal in Zürich Altstetten.

Zürich, Baslerstrasse 102. Es ist drückend heiss an diesem Donnerstagabend im Vereinslokal Esperanza. Die Señoras, die sich zu dieser Zeit jeweils zum Turnen im vereinseigenen Turnraum treffen, sitzen an einem Tisch, trinken Wasser und erzählen sich Witze. José B. Maluenda sitzt an einem anderen Tisch, zusammen mit Aurita Lorenzo, der Präsidentin des Vereins Esperanza, und Jorge Komotar, dem Kassier.

WOZ: Herr Maluenda, vor kurzem erzählten Sie von den vielen Anfragen, die bei Ihnen oder im Briefkasten von Esperanza in Zürich Altstetten landen …
José B. Maluenda: Inzwischen erreichen uns bis zu zwanzig Anfragen pro Tag von Leuten aus Spanien, die einen Job in der Schweiz suchen: Männer und Frauen, Junge wie Ältere.

Aurita Lorenzo: Kürzlich hat sich ein Mann gemeldet, der vor ein paar Jahren nach Spanien zurückgekehrt ist. Jetzt will er mit seinem behinderten Sohn wegen der geringen Invalidenunterstützung in Spanien wieder zurück in die Schweiz. Und vor ein paar Tagen habe ich eine Familie kennengelernt, die zu acht – in zwei Autos und mit vier Kindern – von Andalusien in die Schweiz gefahren ist …

Maluenda: Gestern meldete sich ein junger Sanitärinstallateur, der Arbeit auf dem Bau sucht. Er hat sich bei verschiedensten Unternehmen vorgestellt. Doch bis jetzt hat er keine Chance, obwohl er – wie viele, die hier Arbeit suchen – hoch qualifiziert ist.

Jorge Komotar: Auf dem Bau macht sich der sprachliche Nachteil von Facharbeitern aus dem lateinischen Sprachraum bemerkbar: Viele Unternehmen bevorzugen heute Arbeiter aus Deutschland.

Was können Sie da für Ihre Landsleute tun?
Komotar: Wir selbst sind ja eigentlich für Senioren zuständig. Und wegen der Krise in Spanien haben wir bis auf weiteres sowieso kein Geld für zusätzliche Aktivitäten. Bis vor kurzem erhielten wir pro Jahr noch 50 000  Franken vom spanischen Staat. Eine solche Hilfe scheint derzeit ausgeschlossen – und Pro Senectute oder Caritas in der Schweiz kämpfen selbst schon genug um Geld. Jetzt müssen wir schon froh sein, wenn wir für ein einzelnes Projekt, für das wir uns beim spanischen Ministerium bewerben, 2000 Franken erhalten. Aber das würde nicht mal für die Raummiete für einen Monat reichen …

Lorenzo: Den Jahresbeitrag für unsere knapp 120 Mitglieder können wir auch nicht weiter nach oben setzen: Wir haben ihn bereits Anfang 2012 von dreissig auf fünfzig Franken erhöht.

(Fatima, eine junge Sozialarbeiterin und Aktivierungstherapeutin, die ehrenamtlich für Esperanza arbeitet, eilt mit einem Papierstapel herbei.)

Maluenda: Das sind die Unterlagen aus Spanien mit den Gesuchsformularen. Es geht darum, Projekte für 2012 zu formulieren, die frühestens im März 2013 gutgeheissen würden – rückwirkend. Das macht die Planung noch schwieriger …

Komotar: Bis Ende August müssen wir sie nach Madrid zurückgeschickt haben. Da bekommen wir Post mitten im August, wenn die meisten in den Ferien sind – und zwei Wochen später wollen die Leute vom Ministerium bereits unsere ausformulierten Gesuche.

Wie wollen Sie nun vorgehen?
Komotar: Wir alle arbeiten ja ehrenamtlich für den Verein Esperanza. Nun aber bräuchten wir eine professionelle Fachkraft, die wenigstens ein paar Stunden in der Woche die Gesuche bearbeiten und weiterleiten könnte. Aber auch dazu fehlt das Geld.

Wäre das nicht auch eine Aufgabe der beteiligten Staaten: eine spanisch-schweizerische Stellenbörse?
Komotar: Ja, eine solche interstaatliche Vermittlung wäre sehr gut.

Denkt man auch an eine intensivierte Zusammenarbeit unter den vielen spanischen Klubs und Vereinen in Zürich?
Komotar: Es ist halt so, dass jeder spanische Verein mehr oder weniger sein Eigenleben führt. Die Versuche des spanischen Konsuls in der Schweiz, die Kontakte zwischen den Klubs zu animieren, haben nichts gebracht.

Lorenzo: Wir überlegen uns, unsere Räumlichkeiten in Stunden, in denen wir sie nicht brauchen, anderen Vereinen oder Gruppen zu vermieten: für Sitzungen, Tanzunterricht, Turnen oder Theaterproben. Das Lokal ist ja montags unbenutzt und an den anderen Tagen meist nur von 15 bis 20 Uhr besetzt.

Lorenzo: Eine gute Idee: Arbeitslose Gymnastiklehrerinnen, Künstler oder Sängerinnen zum Beispiel, die bei uns Kurse geben!

Maluenda: Gerade heute hat sich ein Spanier bei mir gemeldet, der in der Schweiz lebt und arbeitslos ist. Er interessiert sich dafür, ehrenamtlich für unser Projekt zu arbeiten. Vielleicht liesse sich mit der Arbeitslosenkasse darüber reden. Sodass am Ende alle davon profitieren würden.

José B. Maluenda (75) zog 1962 von Madrid in 
die Schweiz. Seit seiner Pensionierung engagiert er sich als Koordinator und Leiter im Seniorenhilfeprojekt ¡Adentro!® für Spanisch sprechende SeniorInnen in der Schweiz, das eng mit dem Verein Esperanza zusammenarbeitet.

Aurita Lorenzo (60) kam 1971 aus Galicien in die Schweiz und ist Präsidentin des Vereins Esperanza.

Jorge Komotar (60), Kassier des Vereins, ist Argentinier, wuchs in Uruguay auf und lebt seit 1970 in der Schweiz.

Esperanza Centro Social de Mayores Zürich, Baslerstrasse 102, 8048 Zürich, 
esperanza@bluewin.ch.

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