Nr. 41/2012 vom 11.10.2012

Wie die Justiz ins Bündnerland kam

Von Eva Pfister

Johann Heinrich von Mont hat Angst vor Chaos und Dunkelheit. Deshalb ist der Baron der geeignete Mann, um im Kanton Graubünden geregelte Zustände einzuführen: als Verhörrichter, Polizeidirektor und Vorsteher der Zuchtanstalt in Chur. Er besitzt eine elegante schwarze Kutsche mit zwei Rappen, aber sonst ist seine Ausstattung noch begrenzt. Als daher zwei Soldaten aus dem Dienst in der niederländischen Armee nach Hause kommen, werden sie flugs als Landjäger eingestellt und auf Verbrecherjagd geschickt, noch bevor sie sich die Haare schneiden und die neuen Uniformen anpassen lassen können. Entsprechend misstrauisch reagieren daher die BündnerInnen, wenn die beiden auftauchen.

Silvio Huonder hat für sein neues Buch «Die Dunkelheit in den Bergen» die Situation in Graubünden nach den napoleonischen Kriegen recherchiert. Diese haben das Land arg mitgenommen, viele Menschen sind verarmt, die Landstreicher eine Plage geworden. Aber traditionell half man sich hier am liebsten selbst, eine anarchische Grundhaltung ist in Bergkantonen ja oft anzutreffen. Unregierbar sei diese Gegend, befanden deshalb die russischen und österreichischen Gesandten und schrieben der Bündner Regierung im Jahr 1814 einen besorgten Brief: «Das Reich einer hauptlosen Ungebundenheit, der Volksaufläufe, einer wilden und launischen Gesetzgebung aus der Mitte des tobenden, frevelnden und strafbaren Haufens, der Verwahrlosung der Gerechtigkeit, bürgerlichen Zucht und Polizei darf nicht wiederkehren.»

Das Zitat stellt Huonder dem ersten Kapitel seines Romans voran, der im Jahr 1821 spielt. Man merkt, dass der Autor mit Leidenschaft recherchiert hat, darum ist auch die Schilderung des Bündnerlands in jener Zeit spannender zu lesen als der eigentliche Kriminalroman. Der klärt das historische Verbrechen ohne grosse Überraschungen auf und verrät kaum etwas über die Motivation der Bösewichte.

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