Nr. 44/2012 vom 01.11.2012

Extrem verlangsamter Blues

Von Fredi Bosshard

Kid Koala ist ein Bricoleur. Sein Aufnahmestudio in Montreal sieht aus wie eine Musik-Spaceship-Kommandozentrale aus den siebziger Jahren. Verschiedene Spulentonbänder, Kisten mit Schallplatten, dazu Mischpulte, Verstärker, Keyboards, Gitarren und fünf Plattenspieler füllen den Raum aus. Es gibt aber auch Zeichenstifte und Skizzenbücher, eine Jukebox, um Kassetten abzuspielen, und einen Sampler, der einst Stevie Wonder gehörte.

Kid Koala ist eine originelle Nummer: DJ und Comiczeichner in einer Person. Er scratcht mit den alten Bluesplatten, plündert so die Geschichte, schnipselt seine Sounds zusammen. Die Musik auf dem Album «12bit Blues» hangelt sich vom «1bit Blues» bis zum finalen «12bit Blues» empor.

«A fun kind of blues …», «A little man has so much soul …», «What’s the matter now?», «Sometimes I feel so lonely, I need my baby by my side …», singen die alten schwarzen Männer. Ihre Stimmen werden Bluesafficionados leicht identifizieren können. Im Hintergrund hebt das Spaceship ab, elektronische Störgeräusche zischen durch den Raum, fette Bläsersätze rumoren, eine Bluesharmonika setzt ein, und ein Pianist hämmert in die Tasten. Die Musik wird gedehnt, geschrumpft und durch die Echokammern gejagt, nur der Blues bleibt erdig. Die Worte schleppen sich durch den Sumpf, drohen stillzustehen, überlagern sich, werden zu einem dumpfen zombiehaften Murmeln.

Für das Booklet hat Corinne Merrell einige der Gerätschaften, die im Studio rumstehen, liebevoll abgemalt und ihre Eigenschaften beschrieben. Das Cover hat Eric San gestaltet, den wir auch als Kid Koala kennen. Als Zückerchen gibt es noch den «15 Blues Bits» auf einer Flexidisc in CD-Grösse. Sie kann auf dem handangetriebenen Miniplattenspieler abgespielt werden, der als Kartonbausatz gleich mitgeliefert wird. Das Ganze gibt es natürlich auch noch grösser und schöner als Vinyl-Doppelalbum mit gratis MP3-Download. Wenn das kein Geschenk ist …

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