Nr. 50/2012 vom 13.12.2012

Wie viel Zug ist genug?

Von Bettina Dyttrich

Der Ständerat will das Eisenbahnnetz für 6,4 Milliarden Franken ausbauen. Derweil denkt der Bundesrat über die Verteuerung des Bahnfahrens nach, möchte vielleicht sogar das Generalabonnement (GA) abschaffen.

Eigentlich ist das nur konsequent: Irgendwoher muss das Geld für den Ausbau der Infrastruktur kommen. Es ist immer noch fairer, mehr von den Bahnfahrenden zu verlangen, als die Mehrwertsteuer zu erhöhen, wie es der Ständerat vorschlägt. Denn Erhöhungen der Mehrwertsteuer treffen die Armen am härtesten.

Mobilität ist zu billig, das stimmt. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Wer seine Arbeitskraft verkaufen muss – also alle, die nicht vom eigenen Vermögen leben können –, kann nicht immer entscheiden, wo er oder sie arbeitet. Dass nicht alle Menschen ihrer Arbeit hinterherzügeln wollen, etwa weil sie schulpflichtige Kinder haben, ist verständlich. Jahrzehntelange mangelnde Raumplanung hat die heutige PendlerInnenschweiz geschaffen. Es kann nicht sein, dass die BahnfahrerInnen die Folgen dieser Politik allein tragen müssen. Nicht nur die politischen Gremien, sondern auch die Wirtschaft müsste die Veränderung der heutigen Strukturen diskutieren und mitfinanzieren.

Aus ökologischer Sicht ist klar: Eine Verteuerung des öffentlichen Verkehrs hat nur einen Sinn, wenn der Autoverkehr noch stärker verteuert wird. Umgekehrt hat ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs nur einen Sinn, wenn das Strassennetz rückgebaut oder zumindest eingefroren wird. Doch das wird nicht passieren. Schon melden sich Bürgerliche wie die Urner FDP-Nationalrätin Gabi Huber zu Wort: Wenn mehr Geld in die Schiene fliesse, stehe auch ein Ausbau des Strassennetzes an. So wird die ganze Übung absurd: mehr Schienen – mehr Strassen – mehr Verkehr – mehr Zersiedlung.

Also müssen wir auch zum öffentlichen Verkehr ein paar Grundsatzfragen stellen: Wann ist genug? Warum fahren wir immer mehr herum? Und ist das sinnvoll? Wollen wir so leben?

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