Nr. 04/2013 vom 24.01.2013

Geschätzter WOZ-Leser Rudolf Wehrli …

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Als die Wirtschaftslobby Economiesuisse letzte Woche im Hauptquartier am Zürichberg die Jahresziele präsentierte, machte der neue Präsident, Rudolf Wehrli, unerwartet Werbung für unsere Zeitung. Der studierte Theologe und Philosoph, heute als «professioneller Verwaltungsrat» tätig, meinte zum Auftakt: «Wie wir seit Hegel und Fichte wissen, sollte man das Gespräch nicht nur mit den eigenen Meinungsverstärkern suchen. Ich lese auch die WOZ, darin sind immer interessante und qualitativ gute Artikel zu finden.»

Wenn Sie diese Mitteilung also vermutlich sehen, geschätzter Leser Wehrli, möchten wir nicht auf eine qualifizierte Kritik an Ihren weiteren Ausführungen verzichten: Dass Sie Ihre Politik unter das Motto der Nachhaltigkeit stellen, ist erfreulich. Ebenso, dass Sie die Reichen ermahnten, nicht nur hohe Löhne zu kassieren, sondern auch als Mäzene aufzutreten, «für einen Unilehrstuhl, ein Hilfswerk oder ein Orchester». Wobei wir finden, die Reichen würden besser mehr Steuern zahlen, dann könnten wir auf das Mäzenatenbrimborium verzichten.

Einen Widerspruch haben wir bei Ihren Prognosen festgestellt: So beamten sie die demografische Katastrophe für die Sozialversicherungen an die Leinwand. Deren Schulden würden bis 2045 um die Hälfte steigen, «wenn man die heutigen Entwicklungen in die Zukunft extrapoliert». Andernorts wussten Sie, dass die Ökonomie nicht linear funktioniert. Gegen eine ökologische Steuerreform wehrten Sie sich, weil sich die Energiekosten nicht abschätzen liessen: «Die Geschichte besteht aus Brüchen und Diskontinuitäten, heutige Trends sollte man nicht einfach extrapolieren.»

Einig sind wir uns immerhin in einem Punkt: Das Unglück der neuen Überfremdungsinitiativen muss zurückgeschlagen werden. Füllen Sie schon jetzt die Kriegskasse!

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