Nr. 05/2013 vom 31.01.2013

Gestammelt und gezwitschert

Von Fredi Bosshard

Es sind geheimnisvolle Geschichten, die uns die Vokalistin Sidsel Endresen erzählt, und genauso geheimnisvoll sind die Klänge, die Stian Westerhus auf seiner Gitarre erzeugt. Die beiden norwegischen MusikerInnen sind noch nicht lange gemeinsam unterwegs, aber sie haben schnell zur Übereinstimmung gefunden.

In welche Richtung das gehen könnte, hat Endresen mit dem Pianisten Bugge Wesseltoft und der CD «Out Here. In There» schon vor zehn Jahren angedeutet. Mit «Didymoi Dreams», einer Liveaufnahme vom Nattjazz-Festival in Bergen vom Mai 2011, zeigt sie mit Westerhus die feinen Verästelungen des neuen Duoprojekts. Es sind eher gesummte, gestammelte als gesungene Orakelsprüche von Endresen, zu denen Westerhus ein Ambiente schafft, dessen Klangwelt, auf der Gitarre erzeugt, wie ein ganzes Orchester tönt.

Westerhus, der mit seinem Trio und durch seine Zusammenarbeit mit dem Trompeter Nils Petter Molvaer aufgefallen ist, nutzt unzählige elektronische Gerätschaften, um die Klänge zu verfremden. Er schickt sie als Loops los, sie wabern durch die Echokammer, erklingen glockenhell und lassen auch der Gitarre ihren Raum. Sie kontrastieren mit den zart gestammelten Lauten von Endresen, die zu dadaistischer Lyrik in einer erfundenen Sprache werden. Das Gezwitscher von exotischen Vögeln erklingt, das Gurren einer Taube modelliert die Sängerin zu Worten, die sie englisch, norwegisch oder endresisch mit warmer, gelegentlich leicht heiserer Stimme wiederholt. Endresen schichtet die kurzsilbigen Fragmente mit gehetztem Atem wie ein scratchender DJ.

Gemeinsam schaffen Endresen und Westerhus unspektakuläre Klanglandschaften für die Ohren, kippen gelegentlich auf die rauere Seite. Sie lassen Raum für einsame Träumereien und heben den Gegensatz zwischen akustischer Stimme und digitalem Klang auf.

Sidsel Endresen und Stian Westerhus spielen am Montag, 4. Februar 2013, im Zürcher Jazzclub Moods und am Donnerstag, 10. Februar 2013, im Berner Progr.

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