Nr. 12/2013 vom 21.03.2013

Oy, Oy, Oy! Musik!

Von Fredi Bosshard

«In the beginning there was a huge drop of milk», singt Oy zu warmen Marimbaklängen, die bald von Buschtrommeln ergänzt werden. Zu den tanzbaren Beats singt sie in «Doondari», wie sich aus der Milch Stein entwickelt, in Eisen und Feuer übergeht, um dann Wasser und Luft entstehen zu lassen. Die ghanaisch-schweizerische Sängerin Joy Frempong, die sich für ihre Soloprogramme «Oy» nennt, entwickelt auf «Kokokyinaka» ihre eigene Schöpfungsgeschichte und verknüpft sie eng mit ihrer anderen Heimat Ghana.

Gleich zu Beginn ihrer «Kokokyinaka»-Reise besteigt Oy den «2nd Class Bus», um die ZuhörerInnen auf einen atmosphärischen Trip voller Klänge und Düfte zu entführen. Moskitos schwirren durch den üppigen elektronischen Regenwald, eine billige Orgel fiept, es rasselt und zirpt im Hintergrund. Sie lässt ihre Stimme durch Echokammern sausen, schafft so virtuelle Chöre und kreiert mehrstimmige soulige Gesänge. Sie nimmt uns mit auf den «Market Place», erzählt vom «Millionaire in Beggar’s Wear», schneidet Fragmente von aufgeschnappten Gesprächen, Autohupen und Alltagsgeräuschen dazwischen. Auf dem zauberhaften «Gyere» entführt sie uns ins südliche Afrika. Oy entfaltet ihre Erzählungen inmitten eines imaginären Publikums unter dem weiten tropischen Himmel.

Joy Frempong hat mit den Gruppen Lauschangriff, Filewile und Phall Fatale bewiesen, dass sie eine Teamplayerin ist. Mit ihrer ersten CD, «First Box then Walk», hat sie eigene und fremde Kindheitsgeschichten verarbeitet, und mit «Kokokyinaka» lässt sie uns nun an einer sinnlichen Reise quer durch Ghana teilhaben. Auf einigen Titeln wird sie von Schlagzeuger Llejua-Ha unterstützt, und erst zum Schluss, nach einem instrumentalen «Carbreak», lädt sie uns zu einem «Chicken Beer» ein. Dann setzt sich Oy in den luxuriöseren «1st Class Bus» und lässt hoffen, dass die Reise bald weitergeht – «See you next time!»

Oy und Lleluja-Ha spielen am 22. März 2013, 21.45 Uhr, im Rahmen des M4Music im Zürcher «Moods» und am 27. März 2013 um 20.30 Uhr im Berner «Progr».

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