Nr. 10/2013 vom 07.03.2013

Von Franziska MeisterMail an AutorIn, Fredi Bosshard, Silvia SüessMail an AutorIn, Adrian RiklinMail an AutorIn

Ausstellung

In Relation

Wo, wenn nicht im Bündnerland, treffen Landschaft, Architektur und Kunst immer wieder aufeinander und durchdringen sich auf vielfältigste Weise? Diesem Thema widmen sich verschiedene Galerien, das Bündner Kunstmuseum und die Fachhochschule in Chur im Gemeinschaftsprojekt «In Relation». Das breit angelegte Veranstaltungsprogramm umfasst Kunst- und Architekturführungen, spezielle Angebote für Kinder und verschiedenste Ausstellungen.

Das Kunstmuseum etwa zeigt in «Ansichtssache – 150 Jahre Architekturfotografie in Graubünden» (siehe WOZ Nr. 7/13), wie eng Fotografie und Tourismus im Bergkanton miteinander verwoben sind. Im Kunstraum Sandra Romer lässt Monica Ursina Jäger aus utopischen Architekturentwürfen der sechziger Jahre, die mit Landschaft und Natur verschmelzen, neue Raumstrukturen entstehen. Ein Spannungsfeld der andern Art bauen Toni Parpan und Manuel Kämpfer mit ihrer Intervention auf, die sich durch die Gassen der Churer Altstadt spinnt.

Ein Besuch in Graubünden lohnt sich also, obwohl der Bär tot ist, die Ski im Keller verstaut sind und es noch zu früh ist, die Wanderschuhe zu schnüren.
Franziska Meister

«In Relation» in: Chur, Kunstmuseum, Forum 
Würth, Galerie Luciano Fasciati, Kunstraum Sandra Romer, Stadtgalerie. Bis 6. April 2013 oder länger. 
www.inrelation.ch, www.buendner-kunstmuseum.ch

Gretlers Panoptikum

Am Zürcher Helvetiaplatz, schräg gegenüber dem Volkshaus, findet sich im ehemaligen Kanzleischulhaus ein Archiv, das seinesgleichen sucht: Roland Gretlers «Panoptikum zur Sozialgeschichte» – ein Foto- und Bildarchiv, das der gelernte Werbe- und Industriefotograf im Lauf der vergangenen vierzig Jahre aufgebaut hat.

Zunächst waren es Bilder und Fotografien zur Arbeiterbewegung, die im Fokus standen. Im Lauf der Jahre weitete sich Gretlers Interesse auf die Geschichte sozialer Bewegungen und die Sozialgeschichte aus. So ist das hierzulande in diesem Bereich umfassendste Bildarchiv entstanden; kaum eine sozialgeschichtliche Publikation kommt ohne Material aus diesem Archiv aus – zu sehen etwa im unlängst im Rotpunktverlag erschienenen Band «Vom Wert der Arbeit» zur Geschichte der Schweizer Gewerkschaften.

Erstmals ist nun in St. Gallen eine Ausstellung mit Bildern aus der Sammlung zu sehen. Gretler, 1937 in St. Gallen geboren und bis zu seinem 20. Lebensjahr dort wohnhaft, politisierte sich in den sechziger Jahren, insbesondere 1968. Als Mitrechercheur und Fotograf war er neben seiner Sammlertätigkeit bis in die frühen neunziger Jahre immer wieder mit Niklaus Meienberg unterwegs. Die Ausstellung im Kulturraum am Klosterplatz wird begleitet durch Vorträge im Palace über Arbeiterkultur, engagierte Fotografie und aktuelle Gewerkschaftspolitik. Realisiert wurde das Begleitprogramm vom Verein Pantograph und dem Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz.
Adrian Riklin

«Gretlers Panoptikum. Fotografie und Grafik zur Sozialgeschichte» in: St. Gallen Kulturraum am Klosterplatz, Klosterhof 1. Mi–So, 12–17 Uhr; 
Do, 12–20 Uhr. Bis 28. April 2013. Eintritt frei. Führungen mit Roland Gretler auf Anfrage: 071 222 99 64.

Vorträge im Palace: Marina Schütz über 
«Engagement und Solidarität. Die Fotografinnen Tina Modotti und Gerda Taro» und Gespräch mit der Fotografin Olivia Heussler, Di, 12. März 2013, 20.15 Uhr; Nanni Baltzer über «Manipulierte Fotografie? Die Macht des Kontextes», Di, 19. März 2013, 20.15 Uhr; Alessandro Pelizzari über «Die Kämpfe gegen die Schliessung von Merck Serono in Genf und Novartis in Nyon», Di, 26. März 2013, 20.15 Uhr.

Film

Fukushima

«Forbidden Ground, Fukushima», der Film des japanischen Regisseurs Kazunori Kurimoto, zeigt, was es für Menschen bedeutet, in einer Umgebung zu leben, die durch das Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 verwüstet und durch den Atomunfall vom 15. März in Fukushima Daiichi radioaktiv verseucht wurde (siehe WOZ Nr. 8/13). Der im Herbst 2012 fertiggestellte letzte Teil einer Trilogie zeigt mit eindrücklichen Bildern und berührenden Zeugnissen von Direktbetroffenen, wie stark die Bevölkerung trotz der Kontaminierung mit ihrer Heimat verbunden ist.

Der thematische Filmevent «Halbwertszeit» zeigt ausser dem Film von Kazunori Kurimoto auch «663 114», in dem eine Zikade einen Monolog führt, der die Katastrophen von Hiroshima (1945) und Fukushima als Ausgangspunkt nimmt. Im Werbefilm «Die Geschichte vom Plutonium» (1993) der japanischen Atomlobby erzählt die Comicfigur Pluto-Kun, welch «nützliche» Sache Plutonium ist. Einige historische Kurzfilme zum Thema «Atomkraft und Widerstand in der Schweiz» runden das Programm ab. Im Anschluss an die Filme diskutieren Florian Kasser (Greenpeace) und VertreterInnen von Ajisai-no-Kai, einer Organisation, die sich von der Schweiz aus für den Atomausstieg in Japan engagiert.
Fredi Bosshard

Halbwertszeit, zum zweiten Jahrestag von Fukushima in: Zürich Rote Fabrik, Do, 7. März 2013, 19.30 Uhr, mit Kazunori Kurimoto. 
Bern Lichtspiel, Mo, 11. März 2013, 20 Uhr, 
mit Jürg Joss (Fokus Anti-Atom).

Architektur

Skopje, Mazedonien

Am 26. Juli 1963 zerstörte ein starkes Erdbeben Mazedoniens Hauptstadt Skopje. Über tausend Menschen verloren ihr Leben, und drei Viertel der Stadt lagen in Trümmern. Der berühmte japanische Architekt Kenzo Tange (1913–2005) erhielt den Auftrag, einen Masterplan für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt zu entwerfen. Skopje wurde wie Brasilia (Lucio Costa und Oscar Niemeyer) und das indische Chandigarh (Le Corbusier) zu einem Versuchslabor für den sozialutopischen Städtebau.

Auch in Skopje zeugen einige ikonenhafte Gebäude von der Aufbruchstimmung nach dem Erdbeben. Der Architekt und Assistenzprofessor Ognen Marina aus Skopje informiert in seinem Referat in englischer Sprache, welche Teile des Masterplans umgesetzt wurden und erhalten blieben. Er zeigt aber auch, wie die aktuelle Regierung mit ihrem Projekt «Skopje 2014» der Stadt und dem Land eine neue Identität aufdrücken will, die sich an konservativen Werten orientiert.
Fredi Bosshard

Ognen Marina «Skopje – Utopie und Dystopie» in: Bern Kornhausforum, Mi, 13. März 2013, 19 Uhr.

Theater

Drama Queens

Seit über dreissig Jahren prägt sie die Badener Theaterlandschaft: Stella Palino. Die Theaterfrau, die früher ein Mann war, führt in der Altstadt das Teatro Palino sowie die UnvermeidBar. Am 8. März 2013, dem internationalen Tag der Frau, hat ihr neues Stück Premiere: «Drama Queens. Im Bett mit Shakespeares Greatest Women» (Regie und Text: Hilde Schneider) bringt dem Publikum die Frauen aus Shakespeares Dramen näher. Stella Palino schlüpft in die Rolle dieser Frauen – von Julia über Lady Macbeth bis zu Desdemona – und beweist einmal mehr ihr dramatisches und theatralisches Talent. Zwischen den Auftritten bringt Lena Wälly als Hotelangestellte das Zimmer auf «Vorderfrau». Turbulent, abgründig und tragikomisch geht es an dem Abend mit Stella Palino und Shakespeares Frauen zu und her.
Silvia Süess

«Drama Queens. Im Bett mit Shakespeares 
Greatest Women» in: Baden Teatro Palino, 
Fr, 8. März 2013, 20.30 Uhr, Sa, 9. März 2013, 21 Uhr, 
Mi/Fr/Sa, 13./15./16. März 2013, jeweils 20.30 Uhr. Weitere Vorführungen: www.palino.ch.

Fest

Rabe-Fest

Wer mit dem Zug in Bern einfährt, fährt praktisch durch die Räumlichkeiten von Radio Rabe – direkt von den Gleisen, vom «Randweg», sendet das Berner Stadtradio seine Sendungen. Diese sind vielfältig und vielsprachig: Da sind Informations-, Kultur- sowie Hintergrundsendungen zu bestimmten Themen zu hören, Liveübertragungen von Konzerten, Festivals, Theater- und Literaturveranstaltungen sowie etwa fünfzehn verschiedene Sprachen, da bei Rabe auch MigrantInnen eigene Sendungen machen.

Das «Radio vom Rande» feiert nun seinen 17. Geburtstag in der Berner Reitschule. Mit dabei sind unter anderen das englische DJ- und Produzentenduo Spektre sowie Deksler & Haerle, DJ Bird und Dirty Apples. Die Berner Elektrorockband Fiji mit ihrer extrovertierten Sängerin Simone De Lorenzi tritt im Frauenraum auf, und im Dachstock heizen The Tarantinos ein. Auch cineastisch wird gefeiert: Das Kino in der Reitschule zeigt den leicht surrealen Spielfilm «Wrong» von Quentin Dupieux, in dem ein Mann seinen Hund sucht – und dabei auf ganz seltsame Menschen trifft.
Silvia Süess

Rabe-Fest in: Bern Reitschule Fr/Sa 8./9. März 2013. www.reitschule.ch

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