Nr. 17/2013 vom 25.04.2013

Zwanzig Minuten gratis im Klamottenladen

Von Susi Stühlinger

Der Klamotten-Discounter Metro boomt. Jedes Jahr öffnen zwei neue Filialen, bald sind es 25 in der ganzen Schweiz. Die VerkäuferInnen werden indes mehr schlecht als recht für ihre Arbeit entlöhnt. Mitte April mobilisierte die Unia in einer Basler Filiale deshalb zum einstündigen Warnstreik. Die Forderung: ein Mindestlohn von 4000 Franken sowie ein dreizehnter Monatslohn. Im schlechtesten Fall verdienen die MitarbeiterInnen gemäss der Gewerkschaft 3500 Franken für eine Hundertprozentanstellung, angestellt seien sie jedoch höchstens zu achtzig Prozent. Auf Abruf müssen die VerkäuferInnen dennoch jederzeit bereitstehen. Hinzu werde von den Angestellten erwartet, dass sie – um ihr Interesse am Betrieb zu bekunden – jeden Tag zwanzig Minuten gratis arbeiteten.

Aushängeschild von Metro ist ausgerechnet der Rapper Stress, der sich oft und pointiert gegen die Ungerechtigkeiten in der Schweiz und der Welt äussert. Die Unia und das Personal forderten Stress auf, sich bei der Metro-Chefetage persönlich für die Anliegen der VerkäuferInnen einzusetzen. Das Management von Stress teilt auf Anfrage mit, Stress sei selbstverständlich für faire Löhne, aber dies sei nicht seine Angelegenheit, sondern die von Metro.

Vergangenen Montag sollten die Verhandlungen mit Metro nach zwei erfolglosen Gesprächen wieder aufgenommen werden. Hansueli Scheidegger, Koleiter der Unia-Region Nordwestschweiz, teilt mit, dass die Verhandlungen weit fortgeschritten seien, er sich dazu jedoch momentan nicht äussern könne. Tiefstlöhne im Dienstleistungsgewerbe sind auch Thema im 1.-Mai-Dossier der WOZ ab Seite 17 dieser Ausgabe.

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