Nr. 18/2013 vom 02.05.2013

Mitten aus der Gegenwart

Fragen einer Dreissigjährigen: Isabelle Flükigers erstaunlicher «Bestseller» ist nun auch auf Deutsch zu lesen.

Von Eva Pfister

Die Ich-Erzählerin in Isabelle Flükigers «Bestseller» arbeitet als Sekretärin in einer städtischen Galerie, aber so richtig begeistert ist sie von ihrem Job nicht. Auch ein Aufstieg ins Pressebüro bliebe im vorgegebenen Raster – so wie ihr Freund Mathieu nach bestandenem Probejahr wohl auf Lebenszeit Französisch- und Geschichtslehrer sein wird. Einen Ausweg aus diesem Dasein als «kleine Fische» sieht die junge Frau im Schreiben. Wenn ihr der geplante Bestseller gelänge, würde alles anders, und so arbeitet sie leidenschaftlich daran, «das nährt Träumereien und heizt den Alltag auf».

Einen Bestseller hat die 34-jährige Isabelle Flükiger aus Fribourg nicht geschrieben, aber einen originellen Roman, der ganz nah an der Erfahrung der dreissigjährigen Protagonistin ist. Man geniesst ein gutes Essen mit FreundInnen, man liebt die Zweisamkeit und hält es gut aus in diesem Land, «in dem nichts passiert».

Dann bricht aber doch das Unvorhergesehene in die gepflegte Langeweile ein: Den beiden läuft ein kleiner Hund zu, auf dessen Halsband nur steht: «Ich heisse Gabriel». Mit ihm tauchen neue Probleme auf, und als der Asylsuchende Said bei dem Paar einzieht, bringt das den fremdenfeindlichen Nachbarn auf die Palme. Konflikte brechen auch in Mathieus Schule auf; er wird angehalten, dem Sohn eines einflussreichen Anwalts bessere Noten zu geben, was seinen Idealismus auf eine harte Probe stellt. Die Ich-Erzählerin muss hingegen gar nichts entscheiden, ihre Stelle wird nach Kürzungen im städtischen Kulturetat einfach gestrichen.

Die in der Romandie bereits sehr bekannte Autorin hat für ihren vierten Roman den «Prix littéraire de la Société Centrale Canine» erhalten. Die Qualitäten von «Bestseller» aber gehen weit über die Beschreibung eines niedlichen Hunds hinaus. Das erste Buch von Flükiger, das auch auf Deutsch erschienen ist (kongenial übersetzt von Lydia Dimitrow), erzählt in kurzen, eindringlichen Sätzen die Geschichte dieser Dreissigjährigen – so einfühlsam wie lebendig und sprachlich gekonnt mit Ironie unterfüttert.

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