Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Manchmal ist das lustig

Von Silvia Süess

Nach gut fünfzehn Minuten fragt man sich, was nun noch kommen mag. Bis dahin hat Viktor Giacobbo in seinem neuen Film «Der grosse Kanton» Schweizer Prominenz sowie deutsche Politiker und Intellektuelle darüber sinnieren lassen, was wäre, wenn Deutschland der 27. Kanton der Schweiz werden würde.

Aus der Schweiz sind das zum Beispiel: Doris Leuthard, Philipp Müller, Roger de Weck, Natalie Rickli, Anita Fetz, Peter von Matt, Christian Levrat, Filippo Lombardi, Roger Schawinski oder Oskar Freysinger, der braun gebrannt ein Liedchen mit Gitarrenbegleitung zum Besten geben darf. Deutsche Köpfe sind unter anderen Oswald Grübel, der ehemalige UBS-Chef, der in der Schweiz lebt, der ehemalige grüne Aussenminister Joschka Fischer oder Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/die Grünen.

Die etwas langweilige Aneinanderreihung von Namen spiegelt den Aufbau von Giacobbos Film wider: Alles in allem ist «Der grosse Kanton» eine Aneinanderreihung von Talking Heads. Diese erzählen zum Teil Lehrreiches (Peter von Matt gibt eine kleine Geschichtslektion), Peinliches (Oswald Grübel: «Wenn Deutschland zur Schweiz gehören würde, müsste ich nicht mehr für meinen Schweizer Pass bezahlen. Schon deswegen bin ich dafür»), Banales (Natalie Rickli: «D Schwiz isch d Schwiz, und Dütschland isch Dütschland») oder auch einfach Dummes (Philipp Müller: «Die Scheissflüge do chunt sicher au us Dütschland», Kommentar zu einer Fliege, die sich auf Müllers Gesicht gesetzt hat).

Zwischendurch plaudert Victor Giacobbo mit dem deutschen Kabarettisten Gerhard Polt, und es gibt Archivaufnahmen und Filmausschnitte aus alten Spielfilmen zu sehen. Schön ist, wie der Filmemacher die Musik gezielt einsetzt: Wenn Giacobbo mit Natalie Rickli die Brücke nach Deutschland überquert, singt Jaël von Lunik dazu: «Finally I cross the border.» Oder wenn es um die Vorteile im Sport bei einer Fusionierung der beiden Länder geht, erklingt Stephan Remmlers Lied «Einer muss der Beste sein».

Manchmal ist das lustig. Aber es kommt tatsächlich nicht mehr viel Neues nach fünfzehn Minuten.

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