Nr. 28/2013 vom 11.07.2013

Drohungen eines Terroristenfreunds

Von Toni Keppeler

Kaum hatte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro den Whistleblower Edward Snowden eingeladen, in seinem Land Zuflucht vor den Strafverfolgungsbehörden der USA zu suchen, da hagelte es böse Worte aus Washington. Am lautesten drohte Robert Menendez, demokratischer Senator und Vorsitzender des Komitees für internationale Beziehungen. Sollte der ehemalige Mitarbeiter des Geheimdiensts NSA tatsächlich von Russland nach Venezuela reisen und von dort dann nicht an die USA ausgeliefert werden, habe dies für das Gastland «schwerwiegende politische und wirtschaftliche Folgen». Ähnliches gelte für Bolivien und Nicaragua, deren Regierungen Snowden ebenfalls Asyl angeboten haben.

Ausgerechnet Menendez! Der Vertreter des Staats New Jersey ist als guter Freund des exilkubanischen Terroristen Luis Posada Carriles bekannt, dessen Auslieferung wiederum Venezuela verlangt. Zuletzt sah man Menendez und Posada Carriles im Mai vor zwei Jahren in einem New Yorker Restaurant miteinander speisen.

Der heute 85-jährige Posada Carriles ist ein kubanischer Konterrevolutionär der ersten Stunde. Im April 1961 nahm er am gescheiterten Invasionsversuch in der Schweinebucht teil, danach arbeitete er bis 1967 als Agent des US-Geheimdiensts CIA. Von dort wechselte er zum Geheimdienst von Venezuela und nahm auch die venezolanische Staatsbürgerschaft an. Sein bekanntestes Attentat: Nach Unterlagen der US-amerikanischen Bundespolizei FBI war er verantwortlich für einen Sprengstoffanschlag gegen eine kubanische Verkehrsmaschine, die am 6. Oktober 1976 im Luftraum Venezuelas explodierte. Alle 73 Passagiere kamen ums Leben. Posada Carriles wurde in Untersuchungshaft genommen. 1985 gelang ihm mithilfe eines katholischen Priesters die Flucht. Danach organisierte er in El Salvador illegale Waffenlieferungen der USA an die antisandinistischen Contras in Nicaragua.

Ende 1997 heuerte Carriles in El Salvador Handlanger an, die für ihn Bomben in Hotels in Havanna legten. Bei einer dieser Explosionen wurde ein italienischer Geschäftsmann getötet. Und 2000 wollte er es noch einmal wissen: Der damalige kubanische Staatspräsident Fidel Castro sollte bei einem Besuch in Panama in die Luft gesprengt werden. Das geplante Attentat flog auf, Posada Carriles kam ins Gefängnis, wurde 2004 aber auf Bitte des damaligen US-Präsidenten George W. Bush begnadigt. Posada Carriles lebt heute unbehelligt in den USA. Auslieferungsbegehren von Kuba und Venezuela wurden stets abgelehnt.

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