Nr. 37/2013 vom 12.09.2013

Tanz in luftigen Höhen

Von Fredi Bosshard

Akkordeons klingen wie Musik gewordene Sehnsucht. Man beginnt von Szenen aus Filmen von Federico Fellini zu träumen. Gleitet da nicht ein riesiges, bunt erleuchtetes Schiff durch die Nacht? Hört man da nicht die verwehten Melodien einer Tanzkapelle, die für liebestrunkene Paare in einer schummrigen Bar aufspielt?

Valentin Kessler spielt seine Komposition «Half Moon» auf dem Akkordeon, und schon sind solche Bilder da. Im Sommer 2012 porträtierte Ursina Trautmann den Akkordeonisten, der auf dem Heinzenberg ob Thusis lebt (siehe WOZ Nr. 23/12). Er hatte eben seinen 50. Geburtstag gefeiert und erzählte von einem neuen Projekt, von seiner Affinität zur Volksmusik. Die hatte er in der elterlichen Beiz entwickelt, dem «Schweizertor» in Schuders. Wanderjahre als Kabelträger beim Vienna Art Orchestra und Anfang der neunziger Jahre als Akkordeonist bei Jellyfish Kiss weiteten den musikalischen Horizont.

Kesslers Musik ist langsam gereift, enthält die Kräuter der Bergwiesen und die Gärsäfte der Städte. Er hat Musiker an der Seite, die seine Vorlieben teilen. Die Kapelle Kessler hat viele Weiden abgegrast und zwischendurch auch etwas gewildert, die «Alpenros am Strassenrand» gepflückt und dabei die Volksmusik sensibel mit dem Jazz fusioniert. Mengis brilliert mit lyrischem Trompetenspiel in «Usix», einer Komposition von Hellmüller, die in Skandinavien entstanden sein könnte.

Die Kapelle Kessler hat aber auch Ausflüge in den Balkan gemacht und «Besuch aus Marselha», dem mediterranen Marseille, empfangen. Zum Schluss heisst es dann «Kessler nagt am grossen Apfel», und die Kapelle entschwebt mit Furor in rockige und freie Höhen, lässt es gehörig krachen. Kesslers Akkordeon holt sie aber immer wieder zurück: die Sehnsucht, die Berge, das Meer und den leichtfüssigen Tanz.

Am 13. September 2013 spielt die Kapelle Kessler im Kino Rätia Thusis und am 18. September 2013 im Zürcher Moods. www.kapellekessler.ch

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