Nr. 41/2013 vom 10.10.2013

Ernste GegnerInnen für die Präsidentin

Von Sonja Wenger

In einem Jahr findet in Brasilien die nächste Präsidentschaftswahl statt. Das ist noch eine Weile hin, doch inoffiziell scheint der Wahlkampf spätestens seit Ende Juni eröffnet, als bei landesweiten Demonstrationen Hunderttausende gegen die weit verbreitete Korruption und die schlechte Infrastruktur im Bildungswesen, beim öffentlichen Verkehr und bei der medizinischen Versorgung protestierten.

Anfang dieser Woche fanden nun in Rio de Janeiro, Sao Paulo und in Belem am Amazonas die grössten Demonstrationen seit Juni statt. Dabei ging es auch um die Solidarität für jene LehrerInnen in Rio, die seit zwei Monaten für mehr Lohn streiken. In allen drei Städten kidnappte eine kleine Gruppe Maskierter jedoch die zuvor friedlichen Proteste, zerstörte öffentliche Einrichtungen, Banken und Autos und provozierte gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Forderungen der Protestierenden gingen in den Gewaltbildern unter.

Vom wachsenden Unmut auf der Strasse könnte eine neue politische Konstellation im linken Spektrum profitieren: So hat Marina Silva, ehemalige Umweltministerin und frühere Senatorin der Grünen Partei, als deren Präsidentschaftskandidatin sie 2010 rund zwanzig Millionen von 136 Millionen Stimmen erhielt, sich mit der etablierten Sozialistischen Partei Brasiliens zusammengetan. Zuvor war ihrer neuen Bewegung Rede Sustentabilidade die Zulassung als Partei verweigert worden. Diese Koalition könnte der amtierenden Präsidentin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei den noch vor kurzem sicher scheinenden Wahlsieg streitig machen.

Nachtrag zum Artikel «Die grosse Wut im 
«Land der Zukunft» in WOZ Nr. 39/13.

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