Nr. 41/2013 vom 10.10.2013

Keine Tellerwäschergeschichte

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Vor 26 Jahren kam er als Asylbewerber in die Schweiz; neun Jahre lang kämpfte er darum, hier bleiben zu können. Heute herrscht er über ein Imperium mit über tausend AbnehmerInnen und einem Jahresumsatz von vierzig Millionen Franken.

Yusuf Yesilöz’ Porträt seines kurdischen Landsmanns Zeynel Demir ist keine Tellerwäschergeschichte. Nur schon, weil Zeynel – er wird im Film stets beim Vornamen genannt – das nicht möchte. «Ich lebe wie früher», sagt er, «der Reichtum hat mich nicht verändert.» Natürlich kämpft er nicht mehr in den Bergen Anatoliens gegen die türkischen Unterdrücker, will auch nicht viel darüber preisgeben, wie stark er selbst in Kampfhandlungen verwickelt war. Unverändert stark aber sind die Bande zu seinen kurdischen Landsleuten. Im Betrieb von «Royal Döner» in Winterthur sind alle 115 Mitarbeitenden KurdInnen. «Also, Deutsch lerne ich hier nicht», sagt einer der Kebabverarbeiter in die Kamera. Die leitenden Positionen hat Zeynel mit engen Verwandten besetzt, ausgebildet hat er sie gleich selbst. Auch die Auslieferer der Kebabspiesse sind Kurden, ebenso viele der KundInnen in den Dönerbuden. «Die Arbeit soll euch leichtfallen», begrüsst einer von Zeynels Auslieferern einen Imbissbesitzer in Frauenfeld, so zumindest die Übersetzung in den Untertiteln – Deutsch als O-Ton existiert kaum.

Zeynel sieht sich als «Patron» – für ihn gehören seine Mitarbeitenden zur Familie. Eine Familie, die ständig wächst, weil er seinen Landsleuten auch Kredite gibt, damit sie ihr eigenes Geschäft eröffnen können. Sogar die Ferien will er einem bezahlen, doch der lehnt ab: «Ich fahre nicht mit Geld von andern in den Urlaub.» Familienbande schaffen auch Abhängigkeiten.

Yusuf Yesilöz, der auch für die WOZ schreibt, nimmt sich als Filmer so stark zurück, dass sich vor der Kamera ein vielschichtiges, mitunter auch ambivalentes Bild des «Dönerkönigs» entwickeln kann.

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