Nr. 42/2013 vom 17.10.2013

«Die Schweizer»: Selbst Gigi Oeri fehlt

Von Adrian Riklin

Wieder einmal sieht sich das Schweizer Fernsehen SRF mit unhaltbaren Vorverurteilungen konfrontiert. Diesmal geht es um die Auswahl der sechs Persönlichkeiten aus der Schweizer Geschichte, denen SRF in abendfüllenden Filmen die Ehre erweisen will. Schon bevor die Verantwortlichen ihre Auswahl für «Die Schweizer» begründen konnten, hallt die Kritik in einer furiosen Empörungsfuge durch die Medien.

Eine genaue Betrachtung der auserwählten Figuren lässt jedoch Verständnis für die Selektion aufkommen. Analysiert man die Physiognomien der sechs historischen Persönlichkeiten, fällt auf, dass sie alle kostensparend durch hauseigene Charakterimitanten verkörpert werden können. Die Auswahlkriterien waren also nicht historischer, sondern technischer und wirtschaftlicher Natur. Indem die Verantwortlichen die Wahl der Figuren davon abhängig machten, inwieweit sie glaubwürdig von Mike Müller und Viktor Giacobbo verkörpert werden können, bewiesen sie betriebswirtschaftliches Bewusstsein. Es wäre unverantwortbar gewesen, auf Kosten der GebührenzahlerInnen teure Schauspielerinnen wie Michelle Hunziker oder Marthe Keller zu engagieren, um sie als passende Besetzung für die Darstellung historischer Figuren wie Gilberte de Courgenay oder Ruth Dreifuss einzusetzen. Umgekehrt ist den Fernsehleuten hoch anzurechnen, dass sie dem Sponsoringangebot von Roche widerstanden und auf die Aufnahme von Gigi Oeri in die historische Auswahl verzichteten. Lag es da nicht nahe, auf äquivalente Spielobjekte für die bereits vorhandenen Human Resources zurückzugreifen? Hans Waldmann, Alfred Escher und Henri Dufour für Müller – Niklaus von Flüe, Werner Stauffacher und Stefano Franscini für Giacobbo!

So haben die Zuständigen ihre Verantwortung wahrgenommen und echte Konvergenz unserer Schweizer Helden und unserer Geschichte hergestellt. Auch dass der grosse Aufklärer Roger de Weck, die noch fehlende siebte historische Persönlichkeit (als Vertreterin der Gegenwartsgeschichte), von sich selbst gespielt werden kann, passt hervorragend in dieses von der Presse bisher ignorierte Konzept.

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