Nr. 43/2013 vom 24.10.2013

Was sagt Gott dazu?

Unser Autor findet in Georgien Hinweise auf seine Herkunft.

Von Ruedi Widmer

Sind wir doch alle Brüder und Schwestern? Paläoanthropologen haben in Georgien den ersten vollständigen Hominidenschädel aus der Zeit vor 1,8 Millionen Jahren ausgegraben.

Hinweise verdichten sich, dass alle Homo nur einer Gattung angehören. Bis jetzt gingen die meisten Forscher von mehreren Homo-Arten aus. Doch die Natur ist brutal. Schwarz-weiss. Alle Zwischentöne sind ihr zuwider. 

Als die Menschen noch davon träumten, auf dem Mond komische Lebewesen anzutreffen, und sich flache Erden vorstellten, da war die Natur noch ein Wunder. Stattdessen musste man bald zerknirscht feststellen: Selbst in Milliarden Lichtjahren Entfernung sind die physikalischen Gegebenheiten nicht anders als um uns herum. Und so wird es immer wahrscheinlicher, dass in regelmässigen Abständen Kugeln im Universum existieren, auf denen die Spezies Homo lebt – nicht überlegene Intelligenzhelden in Raumkreuzern, sondern trottelige Gestalten in Einkaufszentren und Wichtigtuer in grossen Rollwagen, genau wie hier auf der Erde.

So wie es nur einen Gott gibt, gibt es auch nur einen Menschen. Wie hätte Gott neben den vielen Tieren auch noch Zeit finden sollen, verschiedene Homo-Typen zu entwickeln? Gott ist ja auch nur ein Mensch. Also denkt er ökonomisch und entwickelt die Menschen aus einem einzelnen Urmenschen. Aus Wilhelm Tell entstanden die heutigen verschiedenförmigen Menschen wie die Dicken und Dünnen, die Schwarzen und Weissen, die Krummen und die Hochgeschossenen.

We are one family – Christoph Blocher ist der Ururenkel Wilhelm Tells, und wir alle sind die strahlenden Kinder seines bildhübschen Sohns Toni Brunner. Die besonders Fleissigen sind die Kinder von Ruedi Noser, und die besonders Faulen entstammen der sozialistischen Teilzeitvaterschaft von Cédric Wermuth und David Roth. 

Auf die gesamte Menschheitsgeschichte gesehen relativ spät, im Jahr 1971, erschuf Gott die Frau, und seither gerät das Wirtschaftssystem ins Wanken. Männer sind gezwungen, den Frauen Eindruck zu machen, und häufen grosse Geldmengen an. Einst friedfertige Männer geraten in Streit wegen Frauen. Fernsehsendungen wie «Die Schweizer» können nicht mehr klaglos ausgestrahlt werden. Das neue sexuelle System verlangt nach sexuellen Boxen, deren früheste Exemplare erst dieses Jahr im zürcherischen Altstetten ausgegraben wurden.

Neuste Ausgrabungen zeigen hingegen, dass selbst Christoph Blocher mit einer Frau verheiratet war, was die gesamte heutige bekannte Geschichte der Menschheit umkrempeln könnte und Paläoanthropologen in helle Aufregung versetzt. Forscher fanden kürzlich Knochen einer Martullofrau, die höchstwahrscheinlich der Gattung Blocher angehört. Frauen scheinen schon vor 1971 gelebt zu haben. Wofür, ist allerdings noch nicht bekannt.

Doch was sagt Gott dazu? Er ist telefonisch nicht erreichbar und flüchtet schliesslich in die Residenz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, die so gross ist, dass er sich nach Ansicht der meisten Experten darin verirren könnte.

Wie gross ist die Gefahr einer kommenden Gottlosigkeit? Die Paläoanthropologen beruhigen und weisen darauf hin, dass alles ausgegraben werden kann, was man sich vorstellt. Also dürften die Forscher eines Tages Gott ausgraben und ihn nach der Wahrheit fragen. 

Die Geschichte der Menschheit ist noch nicht fertig geschrieben. 

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur und wurde 1973 ausgegraben.

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