Nr. 48/2013 vom 28.11.2013

Instrumente mit Namen wie Xymo-Xyl oder Kithara

Von Fredi Bosshard

Der US-amerikanische Komponist Harry Partch (1901–1974) gehört zu den originellsten Köpfen der Musikgeschichte. Er schuf ein hochkomplexes Tonsystem, unterteilte die Oktave in 43 Töne und baute zeit seines Lebens an einem umfangreichen und einzigartigen Instrumentarium. Seinen fragilen Schöpfungen aus Glas, Holz, Metall und vielen anderen Materialien verlieh er zauberhafte Namen wie Chromelodeon, Kithara, Marimba Eroica, Cloud Chamber Bowls, Xymo-Xyl. Einziger Nachteil: Der einzige komplette Satz seiner Instrumente lagert in den Räumen des Harry Partch Institute der Montclair State University in New Jersey.

Partch nutzte aber auch Gitarre, Viola und andere Instrumente, setzte sie in Beziehung zu solchen aus allen Weltgegenden – so wird bei Partch die Maultrommel zum Drone Devil. Es entsteht eine eigenständige Musik, bei der oft die erzählende Singstimme wichtig ist. Nebst vielen andern zeigt sich auch Tom Waits stark von Partch fasziniert und inspiriert, was bei ihm gut herauszuhören ist.

In einem Interview erinnerte sich Partch 1970 an die Mutter einer befreundeten Sängerin, die einen Winter in Alabama verbrachte. Sie erzählte ihm, wie sie von Spottdrosseln («Mockingbirds») umgeben war und wie eine von ihnen unablässig die ersten Töne von «Yankee Doodle» wiederholte. Aus dieser Geschichte entstand 1944 seine knapp vier Minuten lange Komposition «Yankee Doodle Fantasy. On the Words of an Early American Tune».

Im Rahmen der Tage für Neue Musik in Zürich wurde das charmant-verspielte Stück Mitte November im «Ziegel oh Lac» der Roten Fabrik aufgeführt. Die Sopranistin Catriona Bühler sang hinreissend, und die drei MusikerInnen des Ensembles «musikFabrik Köln» spielten dazu Chromelodeon, Zinnflöte und Flexaton. Weil das Stück so kurz ist, haben sie es gleich zweimal gespielt – und man hätte die wehmütige gedehnte Musik endlos hören können. Doch wie kam das Chromelodeon nach Zürich? Für die Ruhrtriennale 2013 liess Heiner Goebbels die ganzen Instrumente nachbauen, damit er das Musiktheater «Delusion of the Fury» (1965/66) von Partch im August auf die Bühne bringen konnte. Eines davon fand den Weg nach Zürich.

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