Nr. 08/2014 vom 20.02.2014

Er ist abgefuckt und doch zärtlich, dieser Goalie!

Von Silvia SüessMail an AutorIn

Dies ist eine Liebeserklärung an den «Goalie», diesen «Plouderi», diesen «blöden Lafericheib» diesen «ewigen Stürmi».

Der Autor und Kolumnist Pedro Lenz hat in seinem Buch «Der Goalie bin ig» eine wunderbare Figur geschaffen, einen Goalie, der nie Goalie war: «Normali Giele möchte Gou mache, nid Gou verhindere.» Einen Goalie, der in der Berner Provinz in Giftgeschichten verwickelt war: «Ha Seich gmacht. Es paar hei z vüu gwüsst, und vo dene hei wiederum es paar z vüu gschnoret. Es hetmi gfüdlet und inegnoo.» Einen Goalie, der von seinen Freunden verarscht wurde, der sie jedoch nicht verrät: «Vo mir chame mee oder weniger fasch aues säge. Aber dasi öpper vor Gricht gieng go verrätsche, das cha niemer behoupte, das miechi nie.»

Dieser Goalie! Man möchte nicht mehr aufhören, diesem Lafericheib zuzuhören, und möchte sich einlullen lassen von seinen Geschichten. Und es befällt einen eine grosse Traurigkeit und Leere, wenn man das fertig gelesene Buch zur Seite legt.

Nun gibt es den Goalie auch im Kino. Sabine Boss hat sich des Buchstoffs angenommen und vieles richtig gemacht. Vor allem die Auswahl der SchauspielerInnen: Die Besetzung der Figuren ist grossartig, allen voran Marcus Signer. Man möchte dem Berner Schauspieler als Goalie gar nicht mehr aufhören zuzuschauen und zuzuhören. Er ist abgefuckt und doch zärtlich, und in seiner ganzen Verlebtheit strahlt er eine erstaunliche Energie aus. Mal sieht er aus wie ein kaputter Junkie, dann wieder wie ein verschmitzter Schuljunge. Und wenn er vor dem Spiegel im Restaurant den Satz übt, mit dem er seine geliebte Regula verführen möchte – «we de nid müestisch bügle, würdi di jetzt grad hei nää und verrume. I schwöre ders, Regi, i miech di glücklech» – und sich anschliessend noch verführerisch zublinzelt, ist das ganz grosses Schauspiel.

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