Nr. 12/2014 vom 20.03.2014

Lokal und erst noch schöner

Von Bettina Dyttrich

In Kassel pflanzen sie hundert Fruchtbäume, von denen alle ernten dürfen. In El Bolsón, Argentinien, haben sie eine Mühle gekauft, um den Weizen eines lokalen Biohofs zu mahlen. In Seattle betreiben sie eine «Werkzeugbibliothek» mit 1200 Geräten zum Ausleihen. In Südlondon installieren sie genossenschaftlich Solardächer. Sie, das sind AktivistInnen der Transition-Bewegung. «Transition» (Übergang) meint den Wandel hin zu einer postfossilen Gesellschaft. Der britische Umweltaktivist Rob Hopkins hat den Begriff geprägt. Es geht darum, lokale Wirtschaftskreisläufe zu schaffen, die widerstandsfähiger sind gegen Energieknappheit und andere Krisen als die heutige Wirtschaft.

In seinem neuen Buch stellt Hopkins zwei Dutzend Projekte vor. Daneben erklärt er die Transition-Idee und gibt Tipps für die Umsetzung. Das überzeugt nicht immer: Hopkins betont zwar, mit Peak Oil sei die Zeit des rasanten Wirtschaftswachstums vorbei. Trotzdem klingt er wie ein Wirtschaftsförderer, wenn er von den Arbeitsplätzen und der Wertschöpfung schwärmt, die die Relokalisierung bringen soll. Lokale Investments würden «die Art und Weise, in der wir unsere Ersparnisse und unsere Altersrücklagen investieren, revolutionieren». Aber wo sollen die Profite, auf denen dieses System heute basiert, in einer Postwachstumsgesellschaft herkommen? Und was ist eigentlich so toll an Regionalwährungen?

Trotz dieser Vorbehalte sind Transition-Initiativen enorm wichtig. Dass es dabei oft um Nahrung, ums Gärtnern und Kochen geht, ist kein Zufall: elementare Tätigkeiten, einfach zu lernen, sinnlich und ungeheuer gemeinschaftsfördernd. «Das Mehl ist eigentlich eine Ausrede!», sagt der Bauer von El Bolsón. «Wir versuchen, die menschlichen Verbindungen wiederherzustellen.» Das ist die Stärke von Transition: Die Bewegung macht eine gute Zukunft vorstellbar. Und das ist in einer Zeit von Wirtschafts-, Energie- und Klimakrisen ganz schön viel. Bettina Dyttrich

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