Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

Glanz und Elend des Optimismus

Von Stefan Howald

Eine «essayistische Präsentation des Kommunismus als vernünftigster Alternative zum Kapitalismus» verspricht Martin Birkner in seinem Büchlein «Lob des Kommunismus 2.0». Tatsächlich liefert Birkner eine verständliche und recht elegante Einführung in eine bestimmte Form der Kapitalismuskritik.

Und zwar in die des sogenannten Postoperaismus von 1968, die seit fünfzehn Jahren von Toni Negri, einem ihrer ursprünglichen Vertreter, zusammen mit Michael Hardt zur Theorie der «Multitude» umgebaut worden ist.

Diese beschreibt erstens die Auflösung der industriellen Produktion und des klassischen Fabrikproletariats in die Wissensgesellschaft, in der Kreativität, Kollektivität und flache Hierarchien in der immateriellen Produktion zentral werden. Das alles kann zwar einerseits vom Kapitalismus vereinnahmt werden. Es ist andererseits der Anhaltspunkt für eine wahre Vergesellschaftung, also den Kommunismus. Negri betont mit seiner «Multitude» zweitens die Rolle sozialer Auseinandersetzungen, die Bewegungen von unten, in denen sich Menschen in den verschiedensten gesellschaftlichen Feldern empören.

Birkner ist gelassen undogmatisch, was die Formen dieser Proteste betrifft; er würdigt sogar den Parlamentarismus und die Notwendigkeit der Planung, wobei diese natürlich partizipativ umgestaltet werden müsste.

In allem äussert sich ein lobenswerter Optimismus. Zudem gilt: «Gesellschaftsveränderung und Transformation von Subjekten gehen Hand in Hand.» Der Optimismus verbindet sich allerdings mit einer teleologischen Verfallsthese: Eigentlich ist der Kapitalismus seit 68 in der Krise. Jeder neue Protest wird mit Hoffnungen belastet, das System zu sprengen. In jüngster Zeit etwa Attac, Arabischer Frühling, Occupy. Wenn diese vereinnahmt werden, dann warten wir halt auf die nächste Protestbewegung. Es ist wie mit dem Hasen und dem Igel. Wenn der kapitalistische Hase meint, er könne jetzt endlich an einem Ende des Felds alle Karotten verspeisen, tritt ihm immer wieder ein widerborstiger Igel entgegen. Leider werden aber die meisten vom kapitalistischen Hasen plattgemacht.

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