Nr. 20/2014 vom 15.05.2014

Jeder Schuss zwei Treffer

Etrit Hasler kennt Roger Federers dunkles Geheimnis

Von Etrit Hasler

Wie jeder Sportjournalist der Schweiz komme natürlich auch ich nicht umhin, mich noch zur wichtigsten Meldung der Sportwelt in den letzten zwei Wochen zu äussern. Was heisst da der letzten zwei Wochen – gemessen an dem Platz, den dieses monumentale Ereignis auf den Sport- und nicht etwa den Lifestyleseiten der Schweizer Zeitungen einnimmt (mit lobenswerter Ausnahme der NZZ), müssen wir eigentlich vom Höhepunkt der Schweizer Sportgeschichte sprechen: Roger Federer hat geworfen. Also natürlich nicht der Roger, sondern seine Mirka.

Aber wie wir ja alle wissen, spielen Frauen im Sport eigentlich nie eine Rolle; somit ist es durchaus legitim, sie dabei aussen vor zu lassen. Ich meine nur, wenn wir das jetzt objektiv betrachten: Was hat sie schon gross dazu beigetragen? Was ist denn schon das Bowlingkugelgewicht, das sie die letzten paar Monate mit sich herumgeschleppt hat, im Vergleich zu dem Gewicht der Verantwortung, das Roger National jeden Tag auf seinen Schultern trägt? Und da die sportliche Zukunft des Landes ja offensichtlich von diesen Zwillingen abhängt, so müssen wir unbedingt hoffen, dass sie nach ihm geraten, damit sie auch gemeinsam den Davis Cup gewinnen können, wie der «Blick» dies verlangt. Man stelle sich die Schande vor, wenn sie nach ihr kommen – da gewinnen die ja keinen Blumentopf und können im besten Fall darauf hoffen, reich zu heiraten.

Moment, mögen Sie mir jetzt entgegenhalten. Abgesehen davon, dass das frauenfeindlicher Quatsch ist, übertreibe ich jetzt masslos. Schliesslich ist auch Roger einfach nur ein Mensch. Weit gefehlt, erwidere ich Ihnen. Roger ist mehr als das. Roger ist unser Captain America. Die Versinnbildlichung der Wünsche und Sehnsüchte einer Nation, mit all ihren Widersprüchen und Paradoxien: Ein perfekter Athlet und trotzdem bescheiden, kommt aus Basel und ist trotzdem nicht drogensüchtig, metrosexuell im Wandschrank, und trotzdem liefert jeder Schuss zwei Treffer, stinkreich ist er auch und trotzdem kein Steueroptimierer – okay, vergessen Sie den letzten Teil.

Und natürlich fragen wir uns alle, wie denn jemand so perfekt sein kann, insbesondere wenn er unsere leicht geschädigte Nation verkörpert. Die Antwort ist so einfach, wie sie uns schon immer klar war: Roger ist gar nicht echt. Er ist eine Erfindung. Das finden Sie jetzt vielleicht noch metaphorisch passend, meine ich aber gar nicht so. Roger Federer wurde 1984 in einem Labor der Basler Pharmaindustrie hergestellt – das weiss ich, weil seine Biografie auf Wikipedia erst in diesem Jahr beginnt und nicht etwa 1981 bei seinem (natürlich später gefälschten) Geburtsdatum.

Hergestellt auf Geheiss des damaligen Sportministers Jean-Pascal Delamuraz im miserablen Sportjahr gemäss dem alten freisinnigen Motto «Leistung ist auch nur eine Frage der Chemie», entstand Roger Federer durch einen dummen Zufall: nämlich als einem armen Medizinstudenten, der sich zu experimentellen Zwecken zwanzigmal hintereinander «Vom Winde verweht» (das erklärt Rogers Probleme bei starkem Wind auf dem Court) ansehen musste, während ihm Wachstumshormone (daher die dauernde Zwillingerei) verabreicht wurden, seine Lasagne (führte zum Pferdegesicht) zusammen mit einem vollgerotzten Taschentuch (lieferte die hyperaktiven Tränendrüsen) in einen Topf voll mit Chemikalien fiel. Der ganze Cocktail wurde siebzehnmal geschüttelt (wundern Sie sich, dass er ausgerechnet so viele Grand-Slam-Turniere gewonnen hat?) und: Ecce homunculus!

Der Rest ist natürlich Geschichte. Sie mögen das jetzt vielleicht etwas desillusionierend finden, aber ist es denn wirklich erstaunlich, dass unser Nationalsportler genauso wie unser Nationalfeiertag einfach von der Bundesregierung erfunden wurde? Oder ganz anders gefragt: Ist das hier wirklich das Dümmste, was Sie in letzter Zeit über Roger Federer gelesen haben?

Etrit Hasler hat zwar viel Sympathie für Captain Roger verloren, als der ins Millionärsasyl in den Kanton Schwyz flüchtete, findet aber trotzdem, dass der Kerli ein Privatleben verdient hat.

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