Nr. 21/2014 vom 22.05.2014

Der Marsch ins Weiss

Susi Stühlinger über drei nachdenkliche Herren

Von Susi Stühlinger

Küsnacht ZH: Endlich konnte man sich auf die Zukunft konzentrieren. Es war das Ende eines langen Marschs durch die Mühlen der US-amerikanischen Justiz. Geschlaucht hatte ihn der Marsch nicht allzu sehr, obwohl er, Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group, als zweifacher Schweizer Meister im 110-Meter-Hürdenlauf eher ein Sprinter als ein Langstreckenläufer war. Die Busse von rund 2,5 Milliarden Schweizer Franken war doch nur ein Klacks im Vergleich zu dem, was die fleissigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Übersee in all den Jahren zuvor – gänzlich ohne das Wissen von ihm und CEO Brady Dougan – erwirtschaftet hatten, und liess sich sowieso als geschäftsmässig begründeter Aufwand von den Steuern abziehen.

Dafür, dass die Eigenkapitalquote der CS jetzt nicht mehr ausreichend sein würde, konnten sie nun wirklich nichts, schliesslich war es die UBS gewesen, die ihnen diese ganzen Finma-Vorgaben damals eingebrockt hatte. Und sein eigener Bonus von rund fünf Millionen Franken war auch im Trockenen. Was wollte man mehr. Jawohl, es war ein gelungener Marsch, von Schwarzgeldkonten hin zur weissen Weste, eine regelrechte Marche Blanche sozusagen.

Versoix GE: Zur Feier des Tags gönnte sich Paolo Bernasconi ein American Breakfast mit Eiern, Würstchen, Speck, Bohnen und Pancakes für 21 Franken im Happy Days Coffee von Christine Bussat, siegreiche Initiantin der «Pädophilie-Initiative». Bernasconi, Aushängeschild derselben und des weiteren Mafiajäger, emeritierter Professor für internationales Wirtschaftsrecht an der HSG sowie Kämpfer an Thomas Minders Seite gegen die Abzockerei, sollte neuer Präsident von Bussats Organisation Marche Blanche werden, um künftig Kinder noch besser und die Schweiz vor der Kuscheljustiz zu schützen. Das Angebot hatte er gern angenommen, zumal das Amt des CS-Verwaltungsratspräsidenten offenbar doch nicht so schnell vakant werden würde. Dieses hätte ihn schon auch gereizt. Vielleicht wäre es ihm dort, mit dem beispielhaften Verzicht auf den eigenen Bonus, gelungen, einen Gesinnungswandel in der Bankenwelt herbeizuführen. Damit endlich Verhältnismässigkeit einkehren würde. Denn seit seinem Kampf gegen das Burkaverbot im Tessin wusste jeder, dass ihm, Paolo Bernasconi, die Achtung des Verhältnismässigkeitsprinzips auf allen Ebenen ein wichtiges Anliegen war.

Herisau AR: Es hatte nichts genützt. FDP-Nationalrat Andrea Caroni hatte mit Verve die Fahne der Rechtsstaatlichkeit hochgehalten, für das Verhältnismässigkeitsprinzip und gegen die Teddybären der «Pädophilie-Initiative» gekämpft – und doch verloren. Nicht einmal die Schlappe, die die Gewerkschaften mit ihrer Mindestlohninitiative erlitten hatten, vermochte ihn wirklich aufzuheitern. Obwohl ihm immer wieder ein hoher Attraktivitätsgrad attestiert wurde und trotz seiner makellos weissen Zähne – gegen die Niedlichkeit eines Marche-Blanche-Teddybären hatte selbst er beim Souverän nicht den Hauch einer Chance.

Susi Stühlinger freut sich, dass wenigstens 
der Gripen abgestürzt ist.

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