Nr. 24/2014 vom 12.06.2014

Abschied vom Admiral

Von Florian KellerMail an AutorIn

«Eternity isch en Seich», sagt David Langhard, besser bekannt als Admiral James T., und er muss es wissen, denn er hat diesen Seich geschrieben. Wir sind an seinem Abschiedskonzert im Winterthurer Gaswerk am Freitag letzter Woche, und Langhard meint natürlich nicht die Ewigkeit an sich, sondern den gleichnamigen Song aus seinen frühen Jahren als Admiral James T.: «Eternity», sieben Minuten lang, über sechzehn Jahre alt und nach allgemeinem Dafürhalten immer noch der grösste Hit des Winterthurers. Wobei das Wort «Hit» eine eher imaginäre Grösse ist bei einem, der den ausgebliebenen Durchbruch irgendwann als ironisches Gütesiegel auf seiner Homepage platzierte: «Still unknown since 1994».

Ein bisschen traurige Wahrheit steckt da schon drin. Aber vor allem ist es das trotzige Understatement eines Songschreibers, der wohl nie einen Hit landete, aber latente Klassiker am laufenden Band geschrieben hat. Man hört es auch an seinem letzten Konzert: Jeder zweite Song könnte ein vergessener Schatz aus dem Repertoire eines Giganten sein. Und alles klingt wie aus dem Ärmel geschüttelt. Dabei wissen wir ja: Nichts ist in der Kunst so schwer wie die Leichtigkeit.

Und jetzt mag er nicht mehr, der Admiral. In den letzten Jahren habe er sich «mit Mühe und Not von Platte zu Platte gehangelt», schreibt er im Abschiedsbrief auf seiner Website. «Ich hatte keine wirkliche Freude mehr an den Platten und wollte trotzdem welche machen. Ich hatte nicht mehr dieselbe Freude an Konzerten und wollte trotzdem welche geben.» Das Verrückte ist, dass man der Musik des Admirals so gar nichts anmerkt von dieser Sinnkrise. Dabei hätte man es durchaus auf seinem zwölften und vorerst letzten Album «8341735 » schon überdeutlich hören können. Da singt der Admiral immer wieder von Krise und Ausstieg, aber die Songs geben sich unbeeindruckt und streben lässig auf die Meisterschaft zu.

«Boy You Gotta Get Out There» singt er auf dieser seiner besten Platte, und genau das will Langhard jetzt tun. Er geht nach Amerika, den Admiral lässt er erst einmal pausieren. Für wie lange? Er weiss es nicht. Bleibt nur die Hoffnung, dass er die Freude wiederfindet und uns nicht gerade eine Ewigkeit auf neue Lieder warten lässt. Denn wie du richtig sagst, lieber Admiral: Eternity isch en Seich.

www.admiraljamest.com

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