Nr. 25/2014 vom 19.06.2014

Der Hirnlappen

Susi Stühlinger über das Gendermonster

Von Susi Stühlinger

Es war zum Glück nicht so schlimm, wie es aussah. Sportminister Ueli Maurer hatte sich nach seinem Sturz vom Militärvelo lediglich ein paar Schürfwunden zugezogen. Die Gefahr, dass es ihm den Hirnlappen verdreht haben könnte, war mit Gewissheit auszuschliessen. Gesundheitsexperte Toni Bortoluzzi war beruhigt. Nicht, dass er je vermutet hätte, dass der Bundesrat sich auf diese Weise hätte anstecken können mit der obskuren Krankheit namens Homosexualität, die eben machte, dass ein Hirnlappen verkehrt läuft. Aber in der heutigen Zeit wusste man nie.

Wie giftige Pilze schossen sie gegenwärtig aus dem Boden, die Fehlgeleiteten mit unnatürlichem Verhalten, Schwule, Lesben und alle, die alleine lebten oder ihren Partner nach Lust und Laune wechselten. Man sah ja, was für ein liederlicher Lebenswandel mit diesem Phänomen einherging, zum Beispiel beim französischen Staatspräsidenten, der seine Frauen wie Handtücher wechselte und das Land in den Ruin trieb, oder bei diesem neuen Papst, der alleine lebte und nun allerhand sozialistischen Schmarren proklamierte. Sogar die SVP hatten sie schon unterwandert mit Beat Fuchs, Direktor für Soziales und Sicherheit in Biel – sozial und sicher, dass er nicht lachte, bei all den ansteckenden Seuchen, die der mit seiner Schwulheit verbreitete –, oder mit Thomas Fuchs, dessen Wiederwahl in den Nationalrat zum Glück verhindert worden war.

Schuld am Ganzen waren die Medien, zuvorderst das Schweizer Fernsehen, wie sein Kollege von den SVP-Secondos, Marco Giglio, unlängst treffend im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest bemerkt hatte: Der Sieg dieser Zwitterfrau mit Bart war eine verräterische Übung gewesen, die darauf abzielte, die naturgegebenen Geschlechter anzugreifen. Der Contest war missbraucht worden, um das traditionelle Familienmodell in die Ecke zu treiben, eine Marketingaktion der Genderlobby, die förmlich nach einer neutralen, unabhängigen Untersuchung schrie, um zu ergründen, welche Rolle das Schweizer Fernsehen in dieser Scharade gespielt hatte.

Nun war die närrische Wurstfrau von den kranken Genderleuten auch noch nach Zürich eingeladen worden, um ihre vergiftete Ideologie der Familienzerstörung zu verbreiten, und bekam dafür sogar noch irgendeinen Preis. Das schlug dem Fass nun wirklich den Boden aus. Toni Bortoluzzi war klar: Jetzt musste zu Taten geschritten werden, damit nicht jeder Blödsinn zur Normalität erhoben und dadurch die Stabilität der Gesellschaft gefährdet würde.

Ein Kampforgan musste schleunigst her, um der Lage Herr zu werden, eine Liga der gewöhnlichen Normalen, ein Ritterorden der Heteronormativität, der sofort aufbrach zum Kreuzzug gegen den Lindwurm von Gendermonster. Toni Bortoluzzi griff zum Telefon, doch von seinen potenziellen Mitstreitern nahm keiner ab. Die hockten gerade alle vor dem Schweizer Fernsehen – immerhin war die Fussball-WM bekanntlich hundertprozentig schwulenfrei.

Susi Stühlinger musste für diese 
Kolumne nicht viel erfinden, die Fakten 
sind zu neunzig Prozent echt.

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